Lockerungen, nun ist Sardinien knallrote Corona-Zone

Stimmen auf Sardinien: "Wir glaubten, das Schlimmste liegt hinter uns."
Stimmen auf Sardinien: "Wir glaubten, das Schlimmste liegt hinter uns."REUTERS
Die Corona-Lage in Italien verbessert sich teilweise. In Sardinien, wo es seit rund einem Monat kaum Beschränkungen mehr gab, sieht es düster aus.

In Italien gibt es seit einigen Tagen nur noch vier statt der bisher neun Regionen, in denen die besonders strengen Corona-Sperren der Roten Zone gelten. So sind etwa die Lombardei, das Piemont, die Emilia-Romagna und die Toskana in die mittlere, orange Risikozone gewechselt. Ganz hart hat es dagegen Sardinien getroffen: Die Sieben-Tage-Inzidenz ist auf 134 geklettert, der R-Wert zur Ansteckungsgeschwindigkeit mit über 1,5 ist mittlerweile der höchste in Italien.

Dabei war Sardinien als eine der ersten Regionen Italiens vor rund einem Monat zur sogenannten weißen Zone erklärt worden. Bei einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 30 fielen damals fast alle Beschränkungen. Geschäfte, Theater, Kinos und Fitnessstudios waren wieder offen, ebenso Bars und Restaurants.

Jetzt sei die Via Manno in Cagliari, eine der wichtigsten Einkaufsstraßen Sardiniens, wieder wie leergefegt, berichtet der Italienkorrespondent der deutschen "Tagesschau". Alle Geschäfte seien wieder geschlossen, der Frust groß. "Wir gehörten zu den ganz wenigen in Europa, die schon wieder fast völlige Freiheit genießen konnten", erzählt ein Anwohner. "Jetzt sind wir wieder da, wo wir mal waren. Vielleicht war das mit den Öffnungen einfach zu früh." Eine weitere Anwohnerin sagt: "Man hat sich vorgegaukelt, dass alles schon überwunden ist. Die weiße Zone ist mit totaler Freiheit gleichgesetzt worden, weil wir glaubten, das Schlimmste liegt hinter uns."

"Ein verheerender Effekt"

Sardinien ist die Region in Europa, die in den vergangenen Wochen in der Covid-Pandemie am tiefsten abgestürzt ist. Dabei hätten zwei schlechte Entwicklungen ineinander gespielt, sagt Ferdinando Coghe von Cagliaris Universitätsklinik: Während allgemein die Vorsicht nachgelassen habe, habe sich die britische Virusmutante auf der Insel schnell ausgebreitet. Innerhalb eines Monats sei der Anteil von einem Prozent auf fast 100 Prozent gestiegen. "Das, kombiniert mit dem Gefühl, sich wieder ohne Schutz mit Freunden und Verwandten treffen zu können, hat einen verheerenden Effekt gehabt." Viele hoffen jetzt erst recht auf die Impfungen. Nur: Die Insel zählt landesweit zu den Nachzüglern - auch, weil man sich auf gutem Weg wähnte.

Rom will, dass es in Italien bis zum 30. April keine Gelben Zonen mit moderaten Beschränkungen geben solle. So lange dürfen die Restaurants keine Besucher an Tischen bedienen. Nur Außer-Haus-Verkauf ist erlaubt. Der Unmut im Land steigt seit Wochen.

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