Wien

Promi-Wirt klagt über Corona-Geld, bekam aber 1 Million

Berndt Querfeld als verbaler Schaumschläger? Der prominente Chef des Wiener Café Landtmann kritisierte im "Standard" die Hilfsmaßnahmen der Regierung als "Luftballons", bekam selbst aber schon eine Million Euro überwiesen. Die Erklärung.

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Landtmann-Chef Berndt Querfeld.
Landtmann-Chef Berndt Querfeld.
Herbert Lehmann / picturedesk.com

Auch nach der Gastronomie-Öffnung sind die Zeiten etwa für Wiener Kaffeehäuser nicht leicht. Berndt Querfeld, Betreiber der legendären Kaffeehäuser Landtmann, Mozart oder Museum, drückt es im Interview mit dem "Standard" so aus: "Ich bin kein Jammerer. Wir haben ein gesundes Unternehmen, mit Top-Bankenrating und hoher Eigenkapitalquote. Trotzdem bin ich mir nicht sicher, ob meine Familie das wirtschaftlich durchsteht."

"Keinen Euro bekommen"

Aus den Hilfsmaßnahmen ("tolle Luftballons") der Regierung habe man bisher "keinen Euro bekommen". Die insgesamt 350 Mitarbeiter in Kurzarbeit würden eine Million Euro Personalkosten im Monat bedeuten. "Geld für die Kurzarbeit fließt erst später. Wir haben einen Kredit aufgenommen, um sie zu bezahlen", so Querfeld.

"Soweit dem Ressort bekannt ist, hat die Familie Querfeld für ihre 10 Cafés und Restaurants mehrere Instrumente für Unterstützungsleistungen in Anspruch genommen."

Aus dem Tourismusministerium von Elisabeth Köstinger (ÖVP) heißt es, man sei über Querfelds Aussagen verwundert. Soweit dem Ressort bekannt sei, habe die Familie Querfeld für ihre zehn Cafés und Restaurants mehrere Instrumente für Unterstützungsleistungen in Anspruch genommen und Mittel in entsprechender Höhe bewilligt bekommen.

Querfeld soll Summen offenlegen

Dem Vernehmen nach könne man Querfelds Aussagen nicht nachvollziehen. Man ersuche die Familie Querfeld, die bisher in Anspruch genommenen Summen selbst offen zu legen oder die zuständigen Behörden von ihrer Amtsverschwiegenheit zu entbinden, damit eine entsprechende Klarstellung erfolgen könne.

Millionenbetrag erhalten

"Heute" erreichte Berndt Querfeld am Pfingstmontag telefonisch. Er bestätigte, dass er bereits rund eine Million Euro aus dem Corona-Kurzarbeitstopf der Regierung für seine zehn Unternehmen erhalten habe. Einen etwaigen Schwindel im "Standard"-Interview wischt der Promi-Cafétier vom Tisch: "Ich sehe das nicht als Unternehmensförderung. Wir zahlen hier in Wahrheit die Beträge, die das AMS zahlen müsste, wenn wir die Mitarbeiter gekündigt hätten." Querfeld, der 350 Mitarbeiter beschäftigt, benötigt pro Monat 1,6 Millionen Euro Bankkredit, um die Gehälter vorfinanzieren zu können. "Dann warten wir, bis das AMS gnädigst überweist. Für diesen Kredit hafte ich als Unternehmer persönlich, da der Staat nicht rechtzeitig zahlt."

Cafétier Querfeld: "Die Corona-Kurzarbeit ist ein Sozialprogramm, um die Menschen in den Betrieben zu halten. Der Unternehmer hat davon gar nix."
Im legendären Café Landtmann am Ring ist man für 5,70 Euro bei der Melange dabei.
Im legendären Café Landtmann am Ring ist man für 5,70 Euro bei der Melange dabei.
Helmut Graf

Ob er um alle seine Betriebe kämpfen werde? "Ich bitte Sie, das ist unser Lebenswerk." Nach Ende der Kurzarbeit seien Kündigungen wohl unumgänglich, skizziert Querfeld zerknirscht: "Bis zum nächsten März wird sich gar nix abspielen. Wir müssen unser Unternehmen schützen." Nochmals würde er sich nicht für das Modell der Kurzarbeit entscheiden: "In Wahrheit zahlen wir bei diesem Sozialprogramm, um Menschen in den Betrieben zu halten, drauf. Wir müssen etwa die Urlaube von 350 Mitarbeitern voll bezahlen. Darüber hinaus bleiben wir auf circa 18 bis 19 Prozent der Personalkosten bei 90-prozentiger Kurzarbeit sitzen."

50.000 Euro Miete für Landtmann

Dass er als Unternehmer Unterstützung bekommen hätte, lässt er so nicht gelten: "Bei der Kurzarbeit leiten wir einfach Geld an Mitarbeiter um. Und auch Kreditstundungen bringen uns genau gar nichts, die wir dann in wenigen Monaten, wenn es auch noch nicht besser aussieht, zurückzahlen müssten." Und der Fixkostenzuschuss? "Ich bitte Sie. Wir zahlen für das Landtmann 50.000 Euro Miete monatlich, haben im Frühjahr 41.000 Euro in eine neue Markise investiert. Wenn wir 20.000 retour bekommen, sagen wir artig danke – lange retten wird es das Landtmann aber nicht, so ehrlich muss man sein."

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