Lokalbetreiber steigen wegen 13A auf Barrikaden

Lokalbesitzer Moritz Baier (37) vor seinem Café Liebling in der Zoller 6 (WIen-Neubau): "Statt politischem Kasperltheater sollten faktenbezogene Überlegungen angestellt werden. Das heißt auch die Einbeziehung der Betroffenen".
Lokalbesitzer Moritz Baier (37) vor seinem Café Liebling in der Zoller 6 (WIen-Neubau): "Statt politischem Kasperltheater sollten faktenbezogene Überlegungen angestellt werden. Das heißt auch die Einbeziehung der Betroffenen".Bild: Denise Auer
Nach dem Schwenk auf die neue "Lösung" Zollergasse gehen die Lokalbetreiber auf die Barrikaden. Sie beklagen die mangelnde Information.
Seit Monaten wird heftig um die künftige, temporäre neue Linienführung des 13A gestritten. Trotz mehrfacher Sitzungen und einem Gipfel zwischen Stadt Wien, Wiener Linien und Bezirken im Wiener Rathaus gibt es bis heute keine Einigung. Während Stadt und Wiener Linien die Neubaugasse von Beginn an für die beste Lösung halten, plädierte der Bezirk Neubau bisher für die Stiftgasse. Doch die Wiener Linien wollen hier während der rund achtjährigen Bauzeit Container und Maschinen abstellen – womit für den Bus dann offenbar zu wenig Platz bleibt.

Neubauer Bezirksparteien nun für "zweitbeste Lösung" Zollergasse

Doch vor kurzem kam Bewegung in die verhärteten Fronten: In einer Aussendung vom 21. Oktober sprach die SPÖ Neubau plötzlich von einer "breiten Zustimmung im Bezirk für die 13A-Linienführung über die Zollergasse".

Auf ihrer Homepage führt die Bezirks-SPÖ eine Reihe von Maßnahmen an (Wegfall von Parkplätzen, streckenweises Verbot für motorisierten Individualverkehr, teilweise Neugestaltung des Siebensternplatzes und Einrichtung einer Begegnungs- oder Fußgängerzone), mit denen trotz Busverkehr mehr Platz geschaffen werden soll. Dieser überraschende Schwenk lässt nicht nur den grünen Bezirksvorsteher Markus Reiter alleine auf weiter Flur zurück, der Vorschlag erregt auch das Missfallen der ansässigen Anrainer und Geschäftsleute.

CommentCreated with Sketch.5 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. "Das ist reines Kasperltheater. Statt anhand von Fakten ernsthaft Varianten zu prüfen und dann zu entscheiden, welche Lösung die beste ist, kommt jetzt irgendeine Lösung", erklärt der Inhaber des Café Liebling in der Zollergasse 6 (Neubau), Moritz Baier gegenüber "Heute".

"13A bedroht Flair der Zollergasse"

"Die Zollergasse lebt von ihrem Flair, doch genau das würde durch den Busverkehr zerstört", ist der Gastronom überzeugt. Der 13A würde nicht nur deutlich mehr Lärm ("merkt man in den engen Zollergasse sehr deutlich") und weniger Sicherheit bedeuten. "Gerade im Sommer sind hier tagsüber hunderte Menschen unterwegs: Fußgänger, Radfahrer und Personen mit Kinderwägen. Hier auch noch alle drei Minuten den Bus durchfahren zu lassen, wäre eine massive Verschlechterung".

"Dazu kommt, dass auch große Teile des Baustellenverkehrs durch die Zollergasse fahren soll. Das heißt, zu der jetzt schon hohen Dichte in der engen Gasse, kommen auch noch LKWs, die den Bauschutt abtransportieren sollen – vom Flair, dass für viele Lokale hier auch eine Existenzfrage ist, bleibt dann nichts mehr übrig", so Baier.

"Kommt nun 13A oder Fußgängerzone?"

Für Rätselraten sorgt bei Baier auch der Vorschlag der SPÖ die Zollergasse zur Begegnungszone umzugestalten. "Auf ihrer Homepage preist die SPÖ Neubau die Linienführung des 13A durch die Zollergasse, will aber gleichzeitig auch eine Fußgängerzone im Abschnitt zwischen Mariahilfer Straße und Lindengasse. Wie soll sich das denn ausgehen?", fragt sich der Lokalbetreiber.

Aus seiner Sicht wäre die Stiftgasse die beste Lösung, denn "diese ist rund 30 Meter breit und hat genug Bäume, die die zusätzliche Schallentwicklung abfangen können. Die Zollergasse ist jedoch nur rund 10 Meter breit", betont Baier.

"Wollen transparente Argumente"

Als besonders frustrierend bezeichnet Baier den Umstand, dass die betroffenen Geschäftsleute keine Information erhalten, sondern alles aus den Medien erfahren würden. "Wenn genau jene Entscheidungsträger, die bei uns im Sommer im Schanigarten sitzen, bei so einer wichtigen Frage nicht mit uns reden, dann läuft doch was falsch", so Baier. Der Gastronom fordert daher mehr "politische Zusammenarbeit", das Vorlegen von transparenten und überprüfbaren Argumenten und eine Einbeziehung aller Betroffenen in die Entscheidung.

(lok)

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