Was "Heute.at" schon am Sonntg vermutete, erwies sich nun als wahr: Der Lokführer des entgleisten Zuges in Spanien hat nach Gerichtsangaben zur Zeit des Unglücks telefoniert und offenbar einen Plan konsultiert. Die Auswertung der Blackbox deute darauf hin, dass der 52-jährige Lokführer mit dem Schaffner telefonierte, erklärte das Gericht. Zugleich habe er offenbar einen Plan oder ein anderes Dokument gelesen.
, erwies sich nun als wahr: Der Lokführer des entgleisten Zuges in Spanien hat nach Gerichtsangaben zur Zeit des Unglücks telefoniert und offenbar einen Plan konsultiert. Die Auswertung der Blackbox deute darauf hin, dass der 52-jährige Lokführer mit dem Schaffner telefonierte, erklärte das Gericht. Zugleich habe er offenbar einen Plan oder ein anderes Dokument gelesen.
Der Lokführer gab laut einem Bericht der Zeitung "El Pais" (Mittwochsausgabe) an, er könne sich selbst nicht erklären, warum er das Tempo nicht rechtzeitig gedrosselt habe. "Ich sage es ihnen ganz ehrlich, dass ich es nicht weiß, ich bin doch nicht so verrückt, nicht zu bremsen", sagte er demnach vor Gericht am Sonntag.
Richter: "Haben Sie die Bremse irgendwann betätigt?"
Richter Luis Alaez fragte laut dem veröffentlichten Auszug des Protokolls nach: "Haben Sie die Bremse irgendwann betätigt?" Darauf antwortete der 52-jährige Lokführer, er habe alle Bremsen betätigt, allerdings erst, als das Unglück bereits "unvermeidbar" gewesen sei. In der Kurve habe er dann gewusst, dass der Zug sie nicht unfallfrei durchfahren werde.
Mehrere Fahrer fanden Kurve gefährlich
Der Richter forderte unterdessen von der staatlichen Bahngesellschaft Renfe weitere Informationen über den Gesundheitszustand des Lokführers an und darüber, wie viel Erfahrung er auf der Unfallstrecke gesammelt hatte. Von dem Schienennetzbetreiber Adif verlangt das Gericht einen Bericht über den Zustand der Gleise und der Signalanlagen auf dem Abschnitt sowie über die Kurve, in der sich der Unfall ereignete. Diese war von mehreren Fahrern als gefährlich eingestuft worden. Daneben sollen weitere Verbindungsdaten ausgewertet werden, um zu klären, ob der Lokführer während der Fahrt noch andere Telefonate führte.
Bei dem Unglück bei Santiago de Compostela waren am Mittwochabend Zug entgleiste mit 153 km/h, erlaubt wären 80 gewesen
Der Zug sei kurz vor der Unglücksstelle mit einer Geschwindigkeit von 192 Stundenkilometern gefahren und nach Auslösung der Bremse wenige Sekunden vor dem Unglück noch immer 153 Stundenkilometer schnell gewesen, als er entgleiste, erklärte das Gericht. Nach dem Unglück wenige Kilometer vor dem Bahnhof der Pilgerstadt hatte sich der Verdacht rasch auf den Lokführer Francisco Jose Garzoin Amo konzentriert. So war vermutet worden, dass der Zug mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit in die Kurve einfuhr, wo er entgleiste. Auch das stellte sich nun als richtig heraus.
Verfahren wegen fahrlässiger Tötung in 79 Fällen
An der Unglücksstelle galt eine Geschwindigkeit von 80 Stundenkilometern. Offenbar bremste der Lokführer aber den Zug nicht rechtzeitig ab. Auf der geraden Strecke davor war Tempo 220 erlaubt. Die Zeitung "El Mundo" schrieb am Dienstag, es sei "erstaunlich", dass es dem Fahrer selbst überlassen bleibe, wann genau er den Zug abbremst, um die Kurve zu schaffen. Der 52-Jährige wurde nach einer Vernehmung am Sonntagabend unter Auflagen freigelassen, doch wurde gegen ihn ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung in 79 Fällen eingeleitet.