Christian Feiler, Sprecher der Wiener Berufsfeuerwehr, hat sich schon mit spektakulären Bränden auf der ganzen Welt befasst. Er kennt die Gefahren – aber auch die gesetzlich vorgeschriebenen Lösungen. Und die werden in der Bundeshauptstadt streng durchgesetzt, sowohl bei Alt- als auch bei Neubauten.
Brandriegel riegeln Flammen ab
Die Möglichkeit, dass ein Gebäude wie in London von unten bis ganz hinauf außen und innen in Flammen steht und die Bewohner dabei komplett eingeschlossen werden, hält er für nahezu undenkbar: "Jedes Haus hat bei uns durch verschieden dicke Mauern sozusagen einzelne Zellen, in denen es brennen darf, sich aber nicht weiter ausbreiten kann. Dazu kommen Brandriegel, die ein Übergreifen der Flammen von Stockwerk zu Stockwerk nach oben verhindern."
Im Fall der Fälle ist die Feuerwehr mit schwerem Gerät ausgerüstet: Die Drehleitern reichen bis zu 30 Meter hoch. Von ihnen kann von außen gelöscht werden. Aber auch über die magische Grenze von 30 Metern hinausragende Gebäude sind keine potentiellen Feuerfallen: Bei jedem Hochhaus muss eine zweite Flucht- und Rettungsmöglichkeit vorhanden sein. Experte Feiler: "Dabei kann es sich um ein zweites Stiegenhaus oder eine außenliegende Treppe handeln. Über die können Menschen fliehen und Feuerwehrleute vorrücken." Gibt es aus baulichen Gründen keine Möglichkeit einer zweiten Stiege, kann das bestehende Treppenhaus durch Brandschutztüren und eine Druckbelüftung in einen sicheren Ort verwandelt werden.
Kein Hubschrauber-Einsatz
Viele fragten sich, warum bei dem Inferno in London keine Hubschrauber eingesetzt wurden, um zu löschen oder Menschen zu bergen. Auch darauf weiß Oberbrandrat Feiler die Antwort: "Durch Flammen und Hitze entsteht eine extreme Thermik. So ein Brand ist einfach nicht anfliegbar, auch nicht für die besten Piloten." Doch so ein Einsatz sei in Wien gar nicht notwendig, da die baulichen Maßnahmen und die Fähigkeiten der Feuerwehr eine Katastrophe wie in London beinahe unmöglich machen würden.