Aufregung um Wiener Unisex-Klo für halbe Million Euro

Das LooPi beim Haus des Meeres ist ein ganz spezielles Klo.
Das LooPi beim Haus des Meeres ist ein ganz spezielles Klo.Screenshot ServusTV
Ein jeder von uns muss mal, doch in diesem Wiener Unisex-WC geht das nicht immer – und das obwohl das HighTech-Häusl fast 470.000 Euro gekostet hat.

Zwischen dem Haus des Meeres und dem Foltermuseum – beides aufgrund des Lockdowns geschlossen – steht die neuste Errungenschaft der Stadt: eine öffentliche Toilette in Edelstahl gegossen, kantig aggressiv im Look und doch als grüne Oase der Erleichterung konzipiert. Frei nach dem früheren Werbeslogan eines Herstellers von Schwangerschaftstests wird hier "die wohl innovativste Technik, auf die ein Urinstrahl treffen kann", geboten.

Bei aller Innovation haben die Erfinder des sogenannten "LooPi" aber ein wenig auf die Grundfunktion eines jeden stillen Örtchens vergessen. In dem massiven Stahlkonstrukt, hinter Pflanzentrögen verborgen, findet sich nämlich nur ein Urinal. Und das ist auch noch als Unisex-Häusl konzipiert, denn Männer und Frauen sollen hier gleichermaßen (schlecht) urinieren können. Für manche Bürger gestaltet sich das aber etwas schwierig, denn Sitzmöglichkeit gibt es keine.

Teures Pissoir mit Umweltgedanken.
Teures Pissoir mit Umweltgedanken.Screenshot ServusTV

Halb funktionierendes Klo ...

Achja, sollten Sie es doch einmal dringend haben: das große Geschäft verrichten Sie bitte woanders. Die sündteure Toilettenanlage verträgt keine Feststoffe, das würde nämlich die Leitungen verstopfen. Der Clou daran ist nämlich, dass das Abwasser samt der menschlichen Ausflüsse durch die integrierte grüne Wand gefiltert und danach wieder als Spülwasser wiederverwendet wird. Aber bitte nicht zu viel, denn das LooPi verträgt nach Angaben der Entwickler nur 30 Liter Urin pro Tag, sonst kippt das System.

Mit einem riesigen Schei*haufen-Piktogramm wird das große Geschäft verboten.
Mit einem riesigen Schei*haufen-Piktogramm wird das große Geschäft verboten.Screenshot ServusTV

"Wer weiß das schon vorher, dass man da nur klein gehen darf?! I' machat voll eine", bringt ein resoluter Wiener die Verwunderung über die besonderen Umstände im Gespräch mit "ServusTV" auf den Punkt.

Und weil das noch nicht genug Kuriositäten sind, gibt's noch eine obendrauf: das Wunderklo hat einen Kältesensor eingebaut und verriegelt sich automatisch, wenn die Temperaturen im Winter anhaltend unter Null fallen. Ein Lockdown der womöglich einfrierenden Wasserleitungen weg.

Zur Sicherheit wurde übrigens nebenan noch ein herkömmliches Mobilklo aufgestellt. Nicht, dass es einem Wiener dann doch in die Hose geht. Das formschöne Plastikteil komplementiert die Edeloptik des LooPi auch perfekt. 

... um halbe Million Euro

Gesamtkostenpunkt für dieses wundersame Objekt: beinahe 470.000 Euro. Mehr als die Hälfte davon, nämlich exakt 281.189 Euro aus Fördermitteln des heutigen Ministeriums für Klimaschutz, Innovation und mehr im Rahmen des Programmes "Stadt der Zukunft".

Via Twitter macht der FPÖ-nahe Politberater Heimo Lepuschitz seinem Ärger über diesen "ganz normalen Irrsinn" Luft und übt scharfe Kritik an der heute zuständigen Ministerin Leonore Gewessler (Grüne). 

Das entpuppt sich allerdings als Eigentor, denn die Ausschreibung der hochdotierten WC-Förderung lief zwischen Oktober 2018 und Februar 2019 und fällt damit mitten in die Amtszeit von Ex-Innovationsminister und ebenso Ex-FPÖ-Chef Norbert Hofer

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