Lucile-Mord: Hat Polizei Jagd auf Killer vertrödelt?

Hätte der mutmaßliche Killer von Lucile schon vor drei Jahren in Haft sitzen können? Eine deutsche Zeitung macht der Tiroler Polizei schwere Vorwürfe.

Stolz präsentierten die Ermittler aus Bayern und Tirol vergangene Woche ihre Erfolge. Der mutmaßliche Mörder der Joggerin Carolin G. in Deutschland und der Studentin Lucile K. in Tirol sitzt in Haft.

DNA-Spuren an beiden Tatorten machten die Polizei sicher. Ein Schlüsselmoment in den Ermittlungen: Die Zuordnung der Tatwaffe, die 2014 aus dem Inn geborgen wurde. Dafür bekamen speziell die Tiroler Polizisten viel Lob. Genau daran wird nun aber auch Kritik laut.

Lkw-Fabrikat

Die Badische Zeitung aus Deutschland behauptet nämlich, dass die Tiroler Ermittler die Hubstange zwar aus dem Inn gefischt haben, sie aber auch viel früher entdecken hätten müssen, zu welchem Lkw sie passt. Es handelte sich um eine Hubstange der Lkw-Marke Iveco. Diese Erkenntnis schafften aber erst die deutschen Ermittler, die seit Jänner 2017 an dem Fall mitarbeiteten.

Die 20-jährige französische Austauschstudentin Lucile K. war am 12. Jänner 2014 gegen Mitternacht auf der Inn-Uferpromenade in Kufstein überfallen, vergewaltigt und mit einer Eisenstange erschlagen worden.

Am 6. November 2016 verschwand die 27-jährige Carolin G. beim Joggen nahe Endingen im deutschen Bundesland Baden-Württemberg. Vier Tage später wurde ihre Leiche in einem Waldstück gefunden. Wie Lucile zwei Jahre zuvor war auch sie vergewaltigt und mit einer Eisenstange erschlagen worden.

In der Tatnacht befanden sich nur 13 Iveco-Lkws im Raum Kufstein, die Bayerischen Kollegen konnten die Namen dieser 13 Lkw-Fahrer schnell ermitteln. Wieso hat das also die Tiroler Polizei nicht geschafft, fragen sich die deutschen Journalisten?

Zweiter Mord vermeidbar?

Der Killer hätte dieser Logik nach schon im Jahr 2014 geschnappt werden können - und damit erst gar nicht die Gelegenheit gehabt, sein zweites Opfer, Carolin G. im Jahr 2016 zu vergewaltigen und zu töten.

Polizei dementiert

Die Tiroler und auch die Bayerische Polizei weisen diese Vorwürfe zurück. "Die Vorwürfe sind aus der Luft gegriffen, unsere Arbeit war entscheidend für die Klärung beider Mordfälle", sagt Walter Pupp, Leiter des Landeskriminalamts Innsbruck dazu: "Sowohl die Tiroler als auch die deutsche Polizei hätten jeder für sich nicht erfolgreich sein können. Die Festnahme war eine Folge der Zusammenarbeit."

Das Kontra der deutschen Kollegen fällt etwas konkreter aus: "Von dort [gemeint sind die Tiroler Kollegen Anm.] wurde alles gemacht, was möglich war." Die Bergung der Tatwaffe sei "eine reife Leistung" gwesen, wie der Freiburger Oberstaatsanwalt Michael Mächtel betont. (csc)

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