Szene

Lukas Plöchl über Kindheit, Burn-out und Solo-CD

Heute Redaktion
14.09.2021, 03:11

Ganz ehrlich? Auf den ersten Blick wirkt Plöchls aka G-Neilas plakative 180-Grad-Wendung peinlich. Aus dem selbst ernannten Party-Proleten wird plötzlich ein tiefgründiger Künstler, der statt mit Analerotik ("Woki mit deim Popo") mit der Aufarbeitung seiner Kindheit berühren will. Auf den zweiten Blick nicht mehr.

Ganz ehrlich? Auf den ersten Blick wirkt Plöchls aka G-Neilas plakative 180-Grad-Wendung peinlich. Aus dem selbst ernannten Party-Proleten wird plötzlich ein tiefgründiger Künstler, der statt mit Analerotik ("Woki mit deim Popo") mit der Aufarbeitung seiner Kindheit berühren will. Auf den zweiten Blick nicht mehr.

"Heute": Arschwackeln war gestern, du entledigst dich deiner Vergangenheit. Schämst du dich für Trackshittaz?

Lukas Plöchl: "Nein, ich würde es eher ,würdigend beiseitelegen‘ nennen. Ich bin so lange der Party-Prolet, so lange ich Party mache. Ich habe mich aber verändert, und jetzt ist es an der Zeit, diesen Dingen Platz zu geben."

Was ist der Unterschied zwischen Lukas und seinem Alter Ego?

"Lukas hat mehr Hirn. Und das mein’ ich nicht positiv. Was G-Neila macht, macht er kompromisslos, körperfokussiert, ohne zu hinterfragen. Lukas hingegen hat schon immer viel gedacht. Dinge zerdacht, wie seinen Wunsch, Fußballer zu werden."

Kann Lukas die Erkenntnis für sich nützen?

"Ja. Wenn er zuerst denkt und dann erst tut, kann er mit einem Schritt dorthin kommen, wo GNeila mit 100 nie hinkommt."

Die CD ist sehr privat. Aufarbeitung oder Abrechnung?

"Beides. Viele Songs entstanden mitten im Trubel um Trackshittaz. Ich gestehe mir selbst ein, dass es Momente gab, wo ich kaputt war. Wo ich nicht mehr aufstehen konnte, weil ich nicht einmal die Scheiß-Schuhe anziehen wollte und beim Autofahren das Scheiß-Lenkrad nicht mehr in der Hand halten wollte."

Welche Kindheitserinnerungen belasten dich so?

"Das Tischtennisspielen. Ich hab den Tisch in der Garage gehasst. Die anderen Kinder waren nach der Schule Eis essen, ich musste üben. Wenn Papa daheim war, hab ich funktionieren müssen. Ich hab dabei oft geweint und gewartet, dass ich aufhören darf."

Spielst du immer noch?

"Nein, mit siebeneinhalb hab ich den Schläger einfach auf den Boden geworfen. Da sind wir auf ein Riesenmissverständis draufgekommen. Papa dachte immer, dass das Spielen meine Leidenschaft ist. Weil ich ja seine chinesischen Gene habe!"

Hast du ihm je verziehen?

"Ja, weil mein Papa der liebste Mensch auf der Welt ist. Er selbst hat mir nach Jahren gestanden, dass er auch von mir viel gelernt hat. Dass man ein Kind nicht so drillen darf."

Wo bleibt Bandkollege Manuel bei deiner Selbstfindung?

"In den USA. Er macht eine abgespeckte Weltreise, und ich hoffe, er kann seine Eindrücke auch in ein paar neue Songs pressen."

Sind die Trackshittaz tot?

"Nein, aber bis auf Weiteres im Ruhemodus. Und das ist gut so."

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