Im Yukon-Gebiet hat sich ein 150 Meter breiter Fluss innerhalb von vier Tagen in Luft aufgelöst: Jetzt gibt es dort Staubstürme statt reißendem Wasser.
Wissenschaftler haben in Kanada eine dramatische Veränderung der Flusslandschaft beobachtet. Der Kaskawulsh-Gletscher im Nordwesten des Landes sei soweit abgeschmolzen, dass sein Schmelzwasser nicht mehr in den Slims River ströme, sondern in den Alsek River, schreibt Dan Shugar von der Universität Washington Tacoma in einem am Montag veröffentlichten Beitrag der Zeitschrift "Nature Geoscience". Ein rund 30 Meter tiefer Canyon am Ende des Gletschers leite das Wasser um.
Normalerweise dauere es eine sehr lange Zeit, bis das Schmelzwasser eines Gletschers sich einen anderen Weg suche, sagte Shugars Mitautor Jim Best. Am Kaskawulsh-Gletscher sei das dagegen offenbar innerhalb von vier Tagen geschehen – vom 26. bis 29. Mai vergangenen Jahres. Das zeigten Messdaten. Bis dahin sei der Slims River ein ziemlich gefährliches Gewässer gewesen – drei Meter tief, schnell und kalt.
Staubstürme statt reißendes Wasser
Shugar berichtete, inzwischen könne man dagegen hindurchwaten, ohne sich das Hemd nass zu machen. "Es war praktisch kein Wasser mehr im Fluss", sagte er. "Er ist eher ein schlangenförmiger See als ein Fluss." Im einstigen Flussdelta gebe es Staubstürme. Dagegen sei der Alsek jetzt tiefer und ströme schneller. Das Wasser, das dem Slims fehle, fließe jetzt hier in Richtung Pazifik ab und nicht wie früher in die Beringsee – Tausende Kilometer entfernt.
Grund für die abrupte Flussumleitung sei das Abschmelzen des Gletschers, sagte Shugar. Mit 25.000 Quadratkilometern hat dieser etwas weniger als ein Drittel der Fläche Österreichs. Die Gletscherzunge sei seit 1899 knapp zwei Kilometer zurückgegangen. Beide Phänomene seien mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auf die globale Erwärmung zurückzuführen. Die Chance, dass es eine andere Ursache gibt, liege bei eins zu 200. (jcg)