Weil sie ein Mädchen jahrelang missbraucht und sogar vergewaltigt haben sollen, haben vier Burschen im Alter von 16 und 17 Jahren in einem Prozess am vergangenen Dienstag im Landesgericht Steyr in Oberösterreich zum Teil unbedingte Strafen zwischen sieben und 18 Monaten ausgefasst. Am Montag teilte das Gericht mit, dass die bereits rechtskräftig sind.
Die den Jugendlichen aus dem Bezirk Kirchdorf an der Krems angelasteten Taten haben laut Anklage im Sommer 2011 begonnen. Das Opfer hatte damals sein zwölftes Lebensjahr noch nicht vollendet. Beim Flaschendrehen sei zuerst nur geküsst worden. Später kam es dann zu sexuellen Handlungen. Damit habe eine Missbrauchsserie mit einer Vielzahl von Übergriffen begonnen, sagte der Staatsanwalt. Die drei Angeklagten sollen zum Mädchen gesagt haben, dass sie es und ihren Bruder "ordentlich verdreschen" würden, falls es etwas erzählen sollte.
Spätfolgen nicht auszuschließen
"Mir ging's scheiße", zitierte die Privatbeteiligtenvertreterin aus Aussagen des Mädchens, das sich zurückgezogen und Albträume gehabt habe. "Das Leben ist in mir verloren gegangen." Später sei es manchmal erleichtert gewesen, aber: "Wie es mir wirklich geht, zeige ich keinem." Laut einem Gutachten sind Dauer- und Spätfolgen nicht auszuschließen, so die Anwältin.
Am Beginn des Prozesses waren die Angeklagten zumindest zum Teil geständig. Das anschließende Beweisverfahren fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Das Schöffengericht fällte Dienstagabend Schuldsprüche bei allen wegen schweren sexuellen Missbrauchs, bei zwei wegen Vergewaltigung und bei einem wegen Nötigung.
Die Strafen: Für einen der Angeklagten 18 Monate, davon sechs unbedingt, für einen weiteren 15 Monate, davon drei unbedingt sowie für zwei der Jugendlichen neun beziehungsweise sieben Monate jeweils bedingt. Die Verteidiger berieten nach der Urteilsverkündung noch über Rechtsmittel. Der Staatsanwalt teilte jedenfalls sofort "keine Erklärung" mit, somit ist das Urteil noch nicht rechtskräftig.