"Madden NFL 21" im Test: The Yard als Touchdown

Großteils ist das neue "Madden NFL 21" ein poliertes Update des Vorgängers. Mit The Yard lockt aber ein neuer und extrem spannender Spielmodus.

Corona-Krise, leere Stadien oder Sport-Verbote hin- oder her: Ein neues "Madden"-Spiel leutet traditionell die Sport-Saison auf Konsolen und PC ein und lässt die jährlichen "FIFA"-, "NHL"- und "NBA"-Games folgen. Gerade heuer stellte sich aber die Frage: Werden die 2020er-Games einfach upgedatet, kommt ein "Madden light" mit wenig Neuerungen, oder sehen wir tatsächlich ein eigenständiges und weiterentwickeltes Videospiel vor uns?

Klar, der Vorgänger "Madden NFL 20" legte die Messlatte hoch. Nach zahlreichen "Madden"-Einträgen ohne große Neuerungen strotzte das Game im Vorjahr plötzlich nur so vor Realismus, bekam eine neue Gameplay-Engine spendiert, die die Spieler einzeln berechnete und sie täuschend echt bewegen ließ und führte persönliche Moves, so genannte "Signature Animations" ein. Außerdem bekamen Spieler "X-Factor"-Fähigkeiten wie schnellere Sprints, die mit Herausforderungen freigeschaltet werden mussten.

"Madden" hat sein eigenes Volta

Was allerdings beim Vorgänger auch zutage trat: Das Spiel wirkte etwas zu sauber, trotz Verstolperer und Ausrutscher fehlte es an der schnellen Action, denn Matches wurden eher zur Simulation. Das ändert "Madden NFL 21" nun: Was Volta für "FIFA" ist, ist The Yard für "Madden". Abseits der duchgeplanten Feld-Spielzüge und der einstudieren Mannschafts-Bewegungen bringt The Yard schnelle Spiele in verrückt designter Ausrüstung und mit Würfen hinter dem Rücken, Doppel- und Mehrfachpässen sowie Bewegungen wie Räder und Überschläge, die am Profi-Feld nicht zu sehen sind. 

The Yard wurde vom Hinterhof-Football inspiriert, entsprechend gibt es hier kein Regel-Wirrwarr, sondern pure Action mit Fokus auf 6-gegen-6-Spiele. Zocker können sich hier auch einen eigenen Avatar erstellen, Geld und Ruhm für Ausrüstungsgegenstände freispielen und die Spiele sogar über eine gleichnamige Smartphone-App mit dem Zusatz "Underground" betreuen. Gespielt wird dabei entweder im Einzelspielermodus gegen die Computer-KI oder im Online-Multiplayer gemeinsam gegen den Computer oder gegeneinander mit Manschaften aus bis zu drei Spielern.

Willkommene Abwechslung

In The Yard läuft zudem keine Uhr ab, denn nur das Erreichen der Punktevorgabe entscheidet ein Match. Wer schnell mal den Football ohne große Regeln zocken oder sich coole Kleidung erspielen will, ist hier richtig. Es ist eine willkommene Abwwechslung zum sonst so durchgetakteten "Madden", wie man es bisher kannnte. Außerdem sind auch hier Herausforderungen zu finden, die Suchtpotenzial entfalten – und gespielt wird auf sehenswert abwechslungsreichen Schauplätzen rund um den Globus.

Eine weitere gute Nachricht: Die beim Erscheinen von "Madden NFL 20" auf rund 50 Spieler beschränkten "X-Faktor"-Fähigkeiten wurden in "Madden NFL 21" stark erweitert. Nicht nur, dass einige Spieler mehr nun ihren "X-Faktor" freischalten können, auch hat sich die Menge an möglichen Spezialfähigkeiten vervielfacht. Das hat zwei Auswirkungen: Die Matches werden viel individueller, wenn ein Superstar mit Superskill am Feld steht – und das streckenweise sehr fordernde "Madden" wird einige Momente lang auch für Neulinge sehr belohnend.

Auch Superstar KO wieder dabei

Wieder dabei ist auch das später zu "Madden NFL 20" hinzugefügte Superstar KO. Hier tritt man in schnellen Spielen mit einer Mannschaft auf Superstars gegen andere Spieler an, um einen Touchdown hinzulegen. Wer scheitert, ist raus, wer siegt, bekommt nach einer Serie den Titel des ungeschlagenen Champions und kann sich weitere Superstars freischalten. Für Profis und Kenner des Spiels ist der Modus die absolute Königsklasse – auch hier in "Madden NFL 21". Doch nicht nur bei den Modis hat sich einiges getan.

Die Steuerung reagiert nun zügiger und exakter als im Vorgänger, die Passes und Läufe gehen dadurch flüssiger von der Hand und sehen gleichzeitig realistischer aus. Auch die kurzen Zwischensequenzen und Einblendungen bei Matches treten "natürlicher" auf, zeigen sich dabei ebenso wie die Menüs im neuen, übersichtlichen Design. Nach einigen Matches wird auch die wohl größte Gameplay-Änderung sichtbar: Die Verteidigung wurde immens gestärkt. Spieler können nun aggressiver und direkter blocken und den Grundstein für einen Konter legen, statt einfach auf eine Interception zu warten. Das dürfte sich noch intensivieren, sobald die Spielzug-Updates zur realen Liga eingepflegt werden.

Grafisch top, aber wenig Neuerung

Auch von den übrigen Modi, vom Training bis zum Ultimate Team, ist alles dabei, was man an Madden kennt und liebt. Neu dabei sind aber viele Stadien – und das auch außerhalb von Amerika. Nun findet man sich beispielsweise auch auf dem Rasen des Wembley Stadiums wieder. Leider zeigen die sich grafisch nicht allzu aufpoliert. Nicht falsch verstehen: Spieler, Stadien, Trainer und Co. sind extrem detailreich, scharf und realistisch. Allerdings waren sie das im Vorgänger genauso, da hat sich beim neuen "Madden NFL 21" wenig getan. Noch. Spannend wird es nämlich, wenn die Zeit der nächsten Konsolengeneration anbricht, denn dann wird die Grafik wohl einen bei weitem realistischeren Eindruck machen.

Zum überarbeiteten Gameplay, den neuen Modi und der spannenderen Ausrichtung gesellt sich bis dahin letztlich noch der Story-Modus, bei dem die Handlung nun zwei Figuren begleitet, die allerdings etwas zu viel an Klischees bereithält. Ohne zu viel zu verraten: Als Highschool-Hoffnung springt man als Ersatz für den überraschend ausfallenden Quarterback ein, erlebt eine Amateur-Saison lang eine künstlich aufgebauschte Rivalität und findet sich in sich wiederholenden Szenarien am Weg in den Profisport wieder. Wer die Story nicht allzu ernst nimmt, wird trotzdem seinen Spaß haben – auch weil Promis wie Snoop Dogg darin anzutreffen sind. Abseits der Story: "Madden NFL 21" ist zwar kein gewaltiger Wurf im Vergleich zum Vorgänger, bietet aber zahlreiche kleine Verbesserungen und macht vor allem mit dem neuen Hinterhof-Football Spaß.

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