"Sollte man den Nikolo bestrafen, wenn sich ein kleines Kind erschreckt?, fragt Markus Dormayer. Der 21-jährige Fleischer versteht die Welt nicht mehr. Er musste sich wegen Einschneidens eines Maibaums in Kleinrötz (Bezirk Korneuburg) vor Gericht verantworten. Auch seine Freundin (22), die Chauffeur spielte, war angeklagt.
Großes Medieninteresse im Gericht Korneuburg bei einem mehr als ungewöhnlichen Prozess wegen Sachbeschädigung: Markus Dormayer wollte am 1. Mai 2009 der beliebten Tradition des Maibaum-Stehlens gerecht werden.
Dieser geschälte Baumstamm sollte schwer bewacht werden, da die Ehre des Dorfes daran hängt, ob der Maibaum unbeschadet die Nacht übersteht, erklärt der Angeklagte während des Prozesses.
In der ersten Ortschaft verhinderte die Anwesenheit der Jugend den Streich. Nicht so in Kleinrötz. Also zückte Dormayer die Motorsäge und schnitt einen Keil in den Baum. Als die Wächter schließlich antrabten, flüchtete er mit Hilfe seiner Freundin mit dem Auto.
Urteil: Ein Fass Bier statt 150 Euro Strafe
Also schlau war das nicht, sagt Richterin Klotzberg. Ich würde es in dieser Form auch nicht mehr machen, gibt sich der Angeklagte zerknirscht.
Er wird der Feuerwehr ein Fass Bier spendieren. Das Verfahren wurde wegen Geringfügigkeit eingestellt.
Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Dass überhaupt die Polizei eingeschaltet wurde, macht den Angeklagten stutzig, denn dies verstößt gegen die Sitten: Ich frage mich, ob heutzutage noch Platz für Traditionen ist.