Fussball

Ex-ÖFB-Star: Warum Stöger nicht als Teamchef passt

Franco Foda hört als ÖFB-Teamchef auf. Die Ex-Teamspieler Florian Klein und Stefan Maierhofer begrüßen den Umbruch, sprechen über mögliche Nachfolger.
Sebastian Klein
29.03.2022, 13:25

Am Montag verkündete Franco Foda seinen Rücktritt als Teamchef. Am Dienstag wird er beim Test gegen Schottland in Wien sein letztes Länderspiel bestreiten. Die Suche nach dem passenden Nachfolger läuft im Hintergrund auf Hochtouren.

Die beiden Ex-Teamspieler Florian Klein und Stefan Maierhofer sprechen auf "ServusTV" bei "Sport und Talk aus dem Hangar 7" Klartext. 

Klein übt Kritik an Foda

Klein: "Die Entscheidung war nicht überraschend. Er hat vorweg genommen, was in den kommenden Tagen passiert wäre. Konnte so sein Gesicht wahren." Der 45-fache Internationale wird deutlich: "Es war nicht so eine erfolgreiche Zeit vom Spiel her. Es wäre sicher mehr möglich gewesen von der Art und Weise, wie man gespielt hat. Das wird immer ein bisschen hängen bleiben."

Klein weiter: "Was erwartet wird ist ein aktiver Spielstil. Ich sage da bewusst nicht Red-Bull-Spielstil, weil so einfach ist es nicht, dass man das einfach kopiert. Aber man kann mit dieser Mannschaft, den Spielern, die am Platz gestanden sind, sicher einen aktiveren Stil spielen. Hätte ich mir eigentlich auch erwartet, als ich die Aufstellung gegen Wales gesehen habe. Da waren viele Spieler auf dem Platz, die sich mit diesem Pressing und aktiven Spiel identifizieren. "

Seine Kritik am Teamchef: "Es hat relativ wenig gepasst, auch im Umschaltspiel, die Distanzen innerhalb von der Mannschaft waren unglaublich groß. Das ist dann schon auch ein bisschen eine Trainersache." Und: "Ich glaube, dass man es über die gesamte Zeit von Franco Foda nicht geschafft hat, dass man einen Spielstil heraussieht, wo man sagt: Das ist die österreichische Nationalmannschaft."

Maierhofer sieht keine Entwicklung

Maierhofer schlägt in dieselbe Kerbe: "Du konntest dich auf dieses Spiel lange vorbereiten. Im Endeffekt hat uns dann ein Spieler vernichtet, der bei Real seit zwei Jahren auf dem Abstellgleis steht. Und das ist das Entscheidende. Du musst aber mit dem Kader, den wir jetzt zur Verfügung haben, dort bestehen. Das haben wir leider nicht geschafft."

Auch der "Major" zeigt sich enttäuscht: "Immer dieses Wort der goldenen Generation. Ich war ja auch ein paar Mal beim Team. Ich habe den einen oder anderen Trainer beim Nationalteam auch gehabt. Die jungen Spieler damals, die jetzt das Gerüst von dieser Mannschaft sein sollen – Alaba, Arnautovic, Dragovic – die kommen jetzt natürlich auch ins Alter. Deswegen ist es natürlich extrem schade, dass wir uns nicht für diese WM qualifiziert haben. Weil wir einfach wirklich einen richtig guten Kader haben. Wir haben extrem viele Legionäre, die bei Top-Vereinen spielen. Und es kommt auch was Gutes nach. Und da wirklich zu sagen, was gibt es für eine Entwicklung, für was steht der ÖFB jetzt? Das war in den letzten Wochen, Monaten nicht wirklich herauszulesen."

Klein: Foda passte nicht zu Team

Klein nimmt Foda trotz aller Kritik auch in Schutz, übt damit indirekt Kritik an der ÖFB-Führungsetage: "Man darf nicht alles an Franco Foda festmachen. Ich glaube einfach, dass er mit der Art, wie er über Fußball denkt, nicht zu dieser Mannschaft gepasst hat. Er hat ja auch Erfolge vorzuweisen. Er ist Meister und Cupsieger geworden mit Sturm, hat auch mit dieser Mannschaft in Österreich ja auch attraktiven Fußball spielen lassen. Man hätte früher einen Cut machen können. Man hat es vielleicht ein bisschen übersehen."

Für ihn das größte Manko: "Das passt zu den Spielertypen nicht. Wir haben fünf, sechs Spieler drinnen, die durch die Red-Bull-Schule gegangen sind. Die sind es gewohnt, zu attackieren. Dann musst du aber auch so einen Fußball spielen, sonst sind die falsch besetzt. Wenn man es vergleicht mit Deutschland: Da sagt man auch immer, die spielen wie der FC Bayern. Da sind die Stützen der Bayern aber auch genau die, die auch im Nationalteam dort spielen. Das haben wir in Österreich nicht. Die Spieler, die durch die Red-Bull-Schule gegangen sind, sind nicht die Stützen des Nationalteams. Das sind Spieler wie David, Marko – alles hervorragende Kicker. Aber das geht in eine andere Richtung. Vielleicht hat sich deshalb nie etwas herauskristallisiert, wo man sagt: Das kannst du auf den Platz bringen."

Niko Kovac als Nachfolger?

Bleibt die Frage nach dem Nachfolger. Diese beantwortet Maierhofer mit einem Namen: Niko Kovac.

Stefan Maierhofer kann sich Niko Kovac als ÖFB-Teamchef vorstellen.
imago images

Maierhofer sagt: "Man ist von Red Bull Salzburg verwöhnt, die international immer wieder für Überraschungen und unglaubliche Fußballabende sorgen. Das möchtest du auch vom Nationalteam sehen. Daher denke ich an Niko Kovac. Er hat Red-Bull-Vergangenheit, war lange Nationaltrainer von Kroatien. Dann war er bei guten Stationen in Deutschland (Frankfurt, Bayern) und zuletzt bei Monaco. Er wäre auf jeden Fall frei."

Peter Stöger nicht kompatibel?

Ein Name, der immer wieder fällt, ist Peter Stöger. Auch der letzte Meistermacher der Wiener Austria (2013) und ehemalige Köln- und Dortmund-Trainer wäre aktuell frei. Aber, Klein ist skeptisch: "Es ist die Frage, was man haben möchte. Peter Stöger schafft es, eine gute Stimmung zu formen und kann von jedem etwas herauskitzeln. Aber: Seine Art zu spielen ist eher defensiv, mit vielen Umschaltmomenten. Da stellt sich auch die Frage, wie er zu diesen Spielern passt."

Was ist mit Ralph Hasenhüttl (Southampton) oder Adi Hütter (Gladbach)? Klein winkt ab: "Beide Trainer stehen bei ihren Klubs noch unter Vertrag. Das wäre also schon ziemlich schwierig, die loszubekommen."

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