Corona zwingt Frauen auf Mallorca in die Prostitution

Blick in ein Zimmer, das zu einem Bordell umfunktioniert wurde.
Blick in ein Zimmer, das zu einem Bordell umfunktioniert wurde.zvg
Touristen bleiben aus. Bars und Geschäfte sind geschlossen. Die Pandemie zwingt Frauen im Urlaubsparadies Mallorca zur Armutsprostitution.

Die Straßen von Palma de Mallorca gleichen der einer Geisterstadt. Lediglich leicht geschürzte Damen auf Klappstühlen oder an Hausmauern lehnend, fallen auf. Seit Monaten ist für viele Frauen der spanischen Insel kein reguläres Einkommen möglich und die Not lässt sie nun ihre Körper verkaufen.

Gemeinnützige Organisationen, wie "Casal Petit" halten seit 2020 sehr viele neue Gesichter im "ältesten Gewerbe der Welt" fest. Gegenüber der Regionalzeitung "Última Hora" erklärte eine junge Marokkanerin, dass sie im Zuge der Krise ihren Job als Küchenhilfe eines Restaurant verloren habe und ihrer Familie trotzdem monatlich Geld schicken müsse. Was bleibe ihr also anderes übrig, um ihre arme Mutter und Geschwister zu ernähren?

15 Euro pro Kundschaft

Doch auch die männliche Kundschaft ist rar gesät. Bereits um 15 Euro werden die "kompletten Dienste" der Rotlichtdamen angeboten, obwohl sie sich teilweise zwölf Stunden pro Tag die Beine in den Bauch stehen. Helfer der Organisation "Ärzte der Welt" erwähnten, dass ihnen die Frauen erzählten, auch manchmal auf den notwendigen Schutz zu verzichten und die Preise nachzuverhandeln, weil der Konkurrenzkampf so groß sei. 80 Prozent der leichten Damen sind alleinerziehende Mütter, die zum Teil mittlerweile auch hohe Schulden bei ihren Zuhältern haben. Die Berufssparten vor der Krise waren höchst anständig, wenn auch nicht hoch dotiert: Putzfrauen, Kinderbetreuerinnen, Seniorenbetreuerinnen, Gastronomieangestellte. Doch es scheint keine Alternative zu geben.

Rückgang der Urlauber um 90 Prozent

Einer Studie zufolge hat sich die Zahl der Menschen unter der extremen Armutsgrenze innerhalb eines Jahres verdoppelt. 2020 konnten fast keine Urlauber auf Mallorca willkommen geheißen werden und die beliebte Partyinsel verbucht bis dato einen Rückgang von 90 Prozent. Erst ab März 2021 soll sich die Lage wieder etwas entspannen, denn bis dahin bleibt weiterhin alles geschlossen. Ob die Frauen allerdings je wieder Anschluss abseits des Metiers finden, bleibt fraglich.

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