Mama von Terror-Opfer: "Unser Leben ist nichts mehr wert"

Keriman und Nasir V. (v.l.) haben ihren Sohn Nexhip (re.) in Mazedonien beerdigt.
Keriman und Nasir V. (v.l.) haben ihren Sohn Nexhip (re.) in Mazedonien beerdigt.Puls4
Ihr Sohn Nexhip wurde am 2. November 2020 beim Attentat in Wien getötet. In einer Puls4-Doku sprechen seine Eltern über ihren unerträglichen Verlust.

Auch ein Jahr nach dem schlimmsten Tag ihres Lebens können sie nicht begreifen, wieso ihr Sohn Nexhip sterben musste. Der 21-Jährige war das erste von vier Todesopfern des Wiener Terror-Schützen. Er war am 2. November 2020 mit einem Freund im Bermuda Dreieck unterwegs, als der Attentäter ihn kaltblütig erschoss.

„Unser Leben ist nichts mehr wert. Ich hab einen Teil von meinem Körper verloren“, sagt Keriman V., die verzweifelte Mutter des Toten, in der Puls4-Doku „Anschlag auf uns“ (heute nach einem Terror-Live-Spezial ab 21 Uhr). „Manchmal denke ich, er ist nicht tot, er kommt wieder.“ Nexhip wurde in Mazedonien begraben, wo die Familie aus Korneuburg (NÖ) herkommt. „Er wollte eine Arbeit finden, heiraten und Familie gründen, wie sein Papa“, ringt Vater Nasir V. um Fassung. "Er ist unser erstes Kind gewesen. Er hat uns die Namen Mama und Papa gegeben."

Bruder des Toten rief Eltern an

In der Terror-Nacht bekamen die Eltern einen Anruf von ihrem zweiten Sohn, der seinen Eltern sagte: "Ich glaube, Nexhip ist angeschossen. Ihr müsst zur Polizei." In Korneuburg konnte man ihnen nicht helfen, man empfahl dann Keriman und Nasir V., fernzusehen, dort würde eine Nummer angegeben, bei der sie nachfragen sollten. "Ich verstehe diese Polizisten nicht", blickt die Mama tieftraurig zurück.

Die Familie teilte sich auf, fuhr alle Krankenhäuser ab und ging zur Wiener Polizei. Erst wollte man sie nicht einlassen, nur als der Freund ihres Sohnes, der alles mitansehen musste, dazukam, durften sie rein. "Dann haben sie uns zwei Gläser mit Wasser auf den Tisch gestellt. Wir haben gewusst, dass sie das nur machen, wenn Nexhip nicht mehr lebt", versucht Keriman das Unfassbare zu verarbeiten.

Als später bekannt wurde, das es zu Ermittlungsfehlern gekommen ist und der Attentäter nur deshalb den Anschlag verüben konnte, verstärkte das den Schmerz der Eltern. „Der Staat hat seine Arbeit nicht richtig gemacht, wir sind sehr enttäuscht, vier Opfer umsonst".

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