Szene

Mann erfährt im TV, dass er jemanden getötet hat

Fatih D. zappt in die Sendung "Aktenzeichen XY ungelöst" und landet in einem Albtraum. Denn: Ein Mensch ist tot und er ist der Täter.
Heute Redaktion
14.09.2021, 01:10

Fatih D. zappt in die Sendung "Aktenzeichen XY ungelöst" und landet in einem Albtraum. Denn: Ein Mensch ist tot und er ist der Täter.

Fatih D. schaut zu Hause mit seiner Verlobten fern und schaltet in die Sendung "Aktenzeichen XY ungelöst" auf ZDF. Der Täter im gezeigten Fall trägt einen blauen Kapuzenpulli mit einem Red-Bull-Logo – einen ähnlichen Pullover wie auch Fatih D. einen besitzt. Dann erscheint das Dorint-Hotel in Mannheim im Bild. "In diesem Moment ist für mich die Welt zusammengebrochen", sagt der 27-Jährige zur "Süddeutschen Zeitung".

Fatih D. erkennt sich selbst und weiß: Er ist der Täter. Was er erst in der Sendung erfährt: Er hat einen Menschen getötet. Am Morgen des 2. Juni 2015 kreuzen sich die Wege des 68-jährigen Peter S. und von Fatih D. vor dem Dorint-Hotel in Mannheim. Auf dem Gehweg tummeln sich viele Menschen, weil gerade eine Reisegruppe aus Brasilien im Begriff ist, abzureisen. Die zwei Männer rempeln sich an.

"Mensch, passen Sie doch auf!", sagt Peter S. in der Nachinszenierung von "Aktenzeichen XY". Fatih D. schlägt ihm ins Gesicht, der Rentner fällt. Fatih D. rennt weg – und bekommt so nicht mit, dass Peter S. eine Gehirnblutung erlitten hat, an der er sechs Wochen später sterben wird.

Mehrere Knochenbrüche im Gesicht

Er habe dem Rentner bloß eine Ohrfeige verpasst, meint Fatih D. Es sei eine "Backpfeife" und garantiert kein Faustschlag gewesen. Der Rempler sei zudem sehr heftig gewesen und habe ihm das Handy aus der Hand geschlagen. Er habe sich vom Rentner bedroht gefühlt.

Die Anwältin des Bruders des Opfers findet das schwer zu glauben. "Dazu passt das Verletzungsmuster nicht. Das Opfer erlitt mehrere Knochenbrüche im Gesicht. Seine Brille ging zu Bruch und hat sich derart in sein Gesicht gebohrt, dass sein linkes Auge zu Schaden kam. Ich wüsste nicht, wie man das mit einer Ohrfeige hinkriegen sollte."

"Das muss geklärt werden"

Die Schuld von Fatih D. ist unbestritten, die Tat wird gemäß der Zeitung als gefährliche Körperverletzung mit Todesfolge eingestuft. Dafür werde der 27-Jährige zwischen drei und fünfzehn Jahre Gefängnis erhalten. Nach der Sendung hat sich Fatih D. der Polizei gestellt. Niemand habe ihn erkannt, er habe es aus freien Zügen getan. "Der Herr ist tot. Das muss geklärt werden. Die Angehörigen suchen jemanden, um zu verstehen, was passiert ist."