Mann klagt gegen Impfung – und steckt sich an

Bild: Screenshot Youtube
Ein 18-Jähriger verklagte seine Schule, weil sie ihn zur Feuchtblattern-Impfung zwingen wollte. Er verlor und erkrankte – an Feuchtblattern.
Sich impfen lassen oder 21 Tage dem Unterricht und allen anderen schulischen Aktivitäten fernbleiben: Vor diese Wahl stellte eine Schule im US-Bundesstaat Kentucky im März alle Schüler, die noch nicht immun waren gegen Feuchtblattern, auch Wilde Blattern genannt.

Dies war nötig geworden, weil sich mindestens 32 von ihnen mit der hoch ansteckenden Krankheit infiziert hatten. Eine weitere Ausbreitung sollte so verhindert werden.

"Unmoralisch, illegal und sündig"

Der 18-jährige Jerome, ein streng religiöser Schüler, wollte sich jedoch nicht entscheiden. Weil er weder auf Schule und Sport verzichten noch sich impfen lassen wollte, zog er gegen die Schule vor Gericht. Er sah seine Rechte verletzt.

CommentCreated with Sketch.7 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Sein Argument laut BBC: Impfstoffe seien "unmoralisch, illegal und sündig". Schließlich würden sie aus abgetriebenen Föten entwickelt (siehe Box 2). Das würde seinen religiösen Überzeugungen widersprechen.

Gegenüber der "Washington Post" legte Jeromes Vater nach: "Das ist Tyrannei gegen unsere Religion, unseren Glauben, unser Land." Sein Sohn werde bestraft, weil er ein gesundes Kind sei. "Er wird vielleicht nie Windpocken bekommen."

Bewusst infiziert

Doch exakt das ist geschehen, wie unter anderem CNNberichtet. Genauso wie andere Mitglieder von Jeromes Glaubensgemeinschaft erkrankte auch er selbst an den Wilden Blattern. Das gab sein Anwalt Christopher Wiest gegenüber dem "Cincinnati Enquirer" bekannt.

Er selber habe dafür gesorgt, so Wiest weiter. "Ich habe den Müttern und Vätern gesagt, der schnellste Weg, das Problem mit den Feuchtblattern aus der Welt zu schaffen, sei, sich absichtlich mit Feuchtblattern zu infizieren."

"Herzlose Missachtung der Gesundheit und Sicherheit anderer"

Die Verantwortlichen vom Northern Kentucky Health Department betrachten die Empfehlung Wiests äußerst kritisch. Laut ihnen sei eine Impfung viel sicherer: Eine Infektion im Erwachsenenalter könne lebensgefährlich sein. Dass das im Jahr 2019 bestritten werde, bezeichnen sie laut Sciencealert.com als "alarmierend und enttäuschend".

Auf die Wirkung einer sogenannten Feuchtblatternparty zu setzen, sei ein veralteter Gedanke, heißt es in einem offiziellen Statement der Gesundheitsbehörde. Zwar werde die während einer solchen Party infizierte Person tatsächlich immun gegen das Virus, allerdings könne diese "das Virus leicht auf andere ahnungslose Menschen übertragen – auch auf solche, die besonders anfällig für diese potenziell lebensbedrohliche Infektion sind".

Die Gesundheitsexperten werden noch deutlicher: "Die Förderung der Ausbreitung einer akuten Infektionskrankheit in einer Gemeinschaft zeigt eine herzlose Missachtung der Gesundheit und Sicherheit von Freunden, Familienangehörigen, Nachbarn und ahnungslosen Mitgliedern der Öffentlichkeit."

Die Klage Jeromes, der seine freiwillige Infektion gut überstanden hat, ist vom Gericht abgelehnt worden.

(isa)

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