Ein 80-jähriger Innviertler soll sich jahrzehntelang an seinen beiden Töchtern vergangen haben. Dem Mann aus dem Bezirk Braunau in Oberösterreich wird vorgeworfen, sie von 1970 bis Anfang Mai 2011 regelmäßig sexuell missbraucht und körperlich misshandelt zu haben.
Der Fall ruft schreckliche Erinnerungen an die Vorkommnisse im Horrorhaus von Josef F. in Amstetten wach: Seit 1970 hat sich ein Mann an seinen beiden Töchtern - heute 53 und 45 Jahre alt -vergangen. Der heute 80-Jährige - für ihn gilt die Unschuldsvermutung - nicht nur sexuell missbraucht, sondern sie auch durch Schläge mit Stock und Mistgabel gefügig gemacht. Er untersagte ihnen jegliche Sozialkontakte und hat mit ihnen nur einen Raum eines Hauses bewohnt, wo er mit ihnen geschlafen hat, so die Sicherheitsdirektion. Als Bett diente den beiden Frauen anscheinend eine winzige Eckbank.
In den Einvernahmen berichteten die Opfer, dass sie ihr Vater, der der offenbar legal im Besitz von zwei Waffen war, wiederholt mit dem Umbringen und mit Waffen bedroht habe. Die Frauen seien offenbar so eingeschüchtert worden, dass sie nie zur Polizei gingen, erklärte Sicherheitsdirektor Alois Lißl am Donnerstagvormittag. Angeblich sollen die beiden Frauen schon im Volksschulalter von einem Bekannten der Familie mehrmals sexuell missbraucht worden sein.
Eine Außenstehende brachte den Fall schließlich ins Rollen: Vergangenen Mai wollte der 80-Jährige erneut seine ältere Tochter vergewaltigen. Die Frau wehrte sich aber und stieß ihn zurück, der Mann stürzte. Er konnte nicht mehr aufstehen, seine Töchter ließen ihn am Boden liegen. Erst zwei Tage später riefen sie eine Sozialarbeiterin, die ihm half. Sie erstattete Anzeige bei der Polizei.
80-Jähriger festgenommen
Der Verdächtige ist Donnerstagnachmittag im Auftrag der zuständigen Staatsanwaltschaft Ried im Innkreis festgenommen worden, teilte Sicherheitsdirektor Alois Lißl mit. Der mutmaßliche Täter hatte sich nach einem Krankenhausaufenthalt in einem Altenheim befunden.
Der 80-Jährige wurde in die Justizanstalt Ried überstellt. Gegen ihn bestehe der Verdacht der Körperverletzung, des Quälens oder Vernachlässigens unmündiger, jüngerer oder wehrloser Personen, der gefährlichen Drohung, der Nötigung, der Vergewaltigung und weiterer sexueller Delikte gegen wehrlose Personen. Die Festnahme sei wegen Tatbegehungs- und wegen Fluchtgefahr erfolgt.Gegen den beschuldigten Innviertler, der auf freiem Fuß angezeigt wurde, wird nun auf Hochtouren ermittelt.
"Bei den mutmaßlichen Opfern sind geistige Defizite vorhanden", berichtete Bezirkspolizeikommandant Martin Pumberger. Die Frauen befänden sich in Betreuung. Der Tatverdächtige werde ebenfalls abgeschirmt und medizinisch versorgt. Er sei zwar nicht mobil, für sein Alter aber geistig rege, so Pumberger.
Der Mann streitet alles ab, betonte der Bezirkspolizeikommandant. Über die weitere Vorgehensweise werde die Staatsanwaltschaft Ried entscheiden. "Die Frauen sind offensichtlich erleichtert, dass sie von der Last befreit sind", sagte der Ermittler.