Niederösterreich

Wegen HIV-Infektion – Mann in NÖ wird Vertrag gekündigt

Einem 81-Jährigen wurde der Vertrag für seine 24-Stunden-Pflege gekündigt. Der Grund: seine HIV-Infektion.
Heute Redaktion
03.08.2023, 14:51
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Wegen der Medikamente war der Mann nicht ansteckend, die Viruslast lag immer unter der Nachweisgrenze. Lange Zeit wurde der Niederösterreicher laut "ORF" vom Roten Kruez gepflegt, im Frühjahr wurde aber eine 24-Stunden-Pflege nötig.

Und hier sollte das Hilfswerk übernehmen, was auch geschah - bis der Vertrag plötzlich gekündigt wurde.

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"Da brauchen wir nicht einmal zu fragen"

Offiziell aus "fachlichen Gründen", mündlich wegen HIV, so Rechtsanwalt Helmut Graupner zu "Ö1": „Das könne man den Pflegepersonen nicht zumuten, weil man vermutet, da wäre niemand bereit. Die kommen halt aus Ländern, in denen es verbreitet Vorurteile gibt. Bei Pflegekräften aus Rumänien oder der Slowakei ist das völlig aussichtslos, da brauchen wir nicht einmal zu fragen.“

Das Hilfswerk betont, dass es sich um keine strukturelle Diskriminierung gehandelt habe. Es habe sich keine Betreuungsperson gefunden. Geschäftsführerin Elisabeth Anselm zum "ORF": „Natürlich kann es sein, dass – aus welchen Gründen auch immer, ob kultureller Natur oder politischer Natur – in manchen Ländern stärkere Vorbehalte da sind, als sie in Österreich da sind, obwohl wir als Organisation damit wirklich kein Problem haben.“

Slowakische Agentur sprang ein

Traurig: Im Fall des Niederösterreichers kam es zu keiner Klage, so Rechtsanwalt Helmut Graupner. Sein Mandant verstarb nämlich wenige Wochen später. „Er ist in dem Wissen verstorben, dass er diskriminiert wurde aufgrund seiner HIV-Infektion. Und wir hätten nicht gedacht, dass das heutzutage noch möglich ist. Vor 40 Jahren – in den 80er und 90er Jahren – ja, aber dass es das heute noch gibt, ist wirklich unglaublich.“ Beschämend laut dem Anwalt: Weil sich in Österreich keine Betreuung fand, schickte eine slowakische Agentur zwei Personen, die den 81-Jährigen bis zu seinem Tod betreuten.