Österreich

Marianne (58): "Es gibt viele, die knapp vor dem Abs...

Heute Redaktion
14.09.2021, 00:59

Ab und zu kommt Marianne noch im Tageszentrum "Ester" in Mariahilf vorbei. Als die resolute Frau im vergangenen Winter ihre Wohnung verlor, war sie öfter hier. Marianne hatte Glück: Nach zwei Monaten Wohnungslosigkeit bekam sie eine Gemeindewohnung.

Ab und zu kommt Marianne noch im Tageszentrum "Ester" in Mariahilf vorbei. Als die resolute Frau im vergangenen Winter ihre Wohnung verlor, war sie öfter hier. Marianne hatte Glück: Nach zwei Monaten Wohnungslosigkeit bekam sie eine Gemeindewohnung.
Marianne wirkt bodenständig und selbstsicher. Doch im vergangenen Jahr geriet ihre Welt ins Wanken. Die 58-Jährige hat mehrere Schicksalsschläge hinter sich. "Ich hatte eine schwierige Herz-Operation. Dann kam die Trennung von meinem Lebensgefährten", erzählt sie. Ein Rückschlag folgte auf den anderen. Der Eigentümer ihrer Wohnung wollte den Mietvertrag nicht verlängern. Das war zuviel für sie. "Ich hatte einfach nicht mehr die Kraft, mich selbst herauszuholen", sagt Marianne. "Ich war zwei Monate lang wohnungslos, musste dann in einer Notschlafstelle übernachten", erzählt Marianne.

Eine Bekannte erzählte ihr vom Tageszentrum "Ester" in der Gumpendorfer Straße 64 (Mariahilf). Hier haben nur Frauen ab 18 Jahren Zutritt. Sozialarbeiterinnen beraten Frauen anonym. "Ich war so froh, dass mir in dieser Situation jemand geholfen hat und dass ich wusste, ich kann hierher essen kommen", sagt Marianne.

Was ihr auch geholfen hat: "Man lernt Leute in derselben Situation kennen." Was ihr klar geworden ist: "Es gibt viele, die knapp vor dem Absturz sind. Es kann jeden und jede treffen."

Dass sie selbst einmal in so eine Situation geraten könnte, hätte sich Marianne in ihren schlimmsten Träumen nicht vorstellen können. "Wenn mir das vor zehn Jahren jemand gesagt hätte, hätte ich gesagt, das ist nicht möglich", erzählt die 58-Jährige. "Früher habe ich Workshops für Haiku-Dichtung an der Volkshochschule unterrichtet", erzählt sie.

Seit der Herz-Operation bekommt Marianne eine Invaliditätspension, seit Ende letzten Jahres hat sie wieder ihre eigenen vier Wände. "Jetzt bin ich nicht mehr oft im Tageszentrum, ich habe eine Gemeindewohnung bekommen, berichtet Marianne erleichtert. Ab und zu schaut sie aber in der "Ester" vorbei – um diejenigen zu besuchen, die ihr in der schwierigsten Zeit geholfen haben.

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