"Mario Golf: Super Rush" im Test – rasant und witzig

Golf ist ja nicht für jeden unbedingt spannend. Steht aber Mario samt Freunden am Platz, bricht der Wahnsinn aus. "Mario Golf: Super Rush" im Test.

Schnappen sich Mario, Luigi, Yoshi und 13 weitere legendäre Nintendo-Charaktere den Golfschläger, dann weiß man, dass man mit "Mario Golf: Super Rush" keine trockene Sport-Simulation auf der Nintendo Switch erwarten darf. Immerhin bereits der sechste Titel der "Mario-Golf"-Reihe stellt "Super Rush" dar, gleichzeitig ist es der erste Serienteil für die Nintendo Switch. Die Entwickler von Camelot versuchen dabei immer wieder erfolgreich, eine spaßige Mischung aus Realismus und Spielspaß zu schaffen – wobei vor allem Letzteres im neuen Teil nicht zu kurz kommt.

Anfänger brauchen hier aber überhaupt keine Berührungsängste haben: Selbst wer von Begriffen wie Birdie und Par oder von Schlägertypen wie Gap-Wedge und Putter keine Ahnung haben, findet sich sofort in einem leicht verständlichen und zugänglichen Spiel wieder, in dem die wichtigsten Steuerungs-Befehle schnell gelernt und der Spielspaß von Anfang an garantiert sind. Wer sich tatsächlich für die Golf-Begriffe interessiert, kann sie zudem in einem eigenen Ratgeber nachschlagen.

Gute Steuerung und schnelle Erfolge

Wer noch nie mit einem "Mario Golf"-Spiel in Berührung kam, der sollte zu Beginn in den Modus "Golf-Abenteuer" einsteigen. Es handelt sich quasi um die Einzelspieler-Kampagne des Titels, der allerdings nicht allzu ausführlich ausgefallen ist. Nach der Charakter-Erstellung kämpft man sich auf immer herausfordernderen Kursen zum Golf-König der Nintendo-Welt hoch und sammelt dabei Abzeichen ein. Der Modus dient daneben aber auch als Tutorial und führt dem Spieler immer wieder Tricks bei den Kursen und Tipps bei der Steuerung vor.

Geht es am Anfang nur darum, den Ball sauber zu treffen, kommen nach und nach Power-Schläge, Spins, Lobs und Spezialschläge sowie Wind- und Gelände-Effekte dazu, die beachtet werden wollen. Überfordert wird der Spieler allerdings nie und selbst auf den schwierigsten Kursen erzielt man mit etwas Training schon nach kurzer Zeit schöne Erfolge. Die Steuerung selbst ist sauber gehalten: Eine Taste löst den Schwung aus, dann geht es um das Timing, die richtige Stärke zu treffen und dazwischen auch noch die Flugrichtung und den Drall zu bestimmen. Fast ein Kinderspiel.

Titel verzeiht selbst grobe Schnitzer

Auch Fehler werden nicht allzu schwer bestraft. Landet der Ball in Sand und Schotter abseits der Kurse, lassen sich immer noch gute Ergebnisse unter dem Kurs-Durchschnitt erzielen, wenn der Rest sauber gespielt wird. Im Ohnehin nicht allzu schwierigen "Golf-Abenteuer" ist das sowieso eher im Hintergrund, denn da verschlagen die KI-Konkurrenten regelmäßig, im Spiel mit Freunden online oder lokal sorgt es aber dafür, dass man nicht allzu schnell mit nur einem Fehler ins Hintertreffen gerät. Selbst wer regelmäßig richtig "versemmelt", kann sich über den einen oder anderen Podestplatz freuen.

Zwar ist die Auswahl an sechs Kursen mit je 18 Löchern nicht allzu groß, die Plätze und die einzelnen Löcher sind aber sehr unterschiedlich gestaltet und fordern deshalb durchaus zum mehrfachen Ausprobieren heraus. Antreten darf man in den übrigen Modi auch mit einem der insgesamt 16 Charaktere, von denen jeder über eigene Stärken verfügt. So drischt Mario mit dem Superstern-Schlag besonders weite Bälle und zischt ihnen mit Saltos und Schrauben nach während Prinzessin Peach mit dem Spiralenstinger zu Pirouetten an. Gegner werden dabei mit zusätzliche Barrieren oder Effekten behindert- Keine Sorge, durch keinen der Schläge hat man einen größeren spielerischen Vorteil, sie unterscheiden sich im Endeffekt nur durch die supersüßen Animationen, kürzen die Wege zum Ball ab und machen es gleichzeitig den Konkurrenten schwerer.

Eine Prise "Mario Kart" gibt es auch

Das Besondere nämlich am Game: Nach einem Schlag wird man im Abenteuer- und anderen -Modi nicht automatisch zum Ball teleportiert, sondern muss den Weg dorthin selbst zurücklegen. Dabei handelt es sich um ein aberwitziges Rennen, wenn etwa vier Spieler gegeneinander im Speed-Golf antreten, bei dem es um die schnellste Spielweise geht. Mit einem Spezialschlag startet man mit einem Speed-Boost dieses Rennen und kann dann einfaches Laufen, aber auch Sprints und Supersprints nutzen – was jeweils an der Ausdauerleiste nagt. Sammelbare Items auf den Kursen füllen diese wiederum auf. 

In denen Rennen kommt sogar ein gewisses "Mario Kart"-Gefühl auf, denn die Mitspieler können im Lauf gerammt und geblockt sowie deren Golfball weggeschleudert oder Bomben auf sie abgeworfen werden. Bei diesem Modi geht es nämlich nicht primär darum, wie viele Schläge man benötigt, sondern dass man als Erster den Ball ins Loch bringt, wobei jeder Schlag ein fettes Zeit-Plus auf das Konto drückt. Dazwischen müssen taktisch und mit Blick auf die Ausdauer die Sprints eingesetzt werden, um auch hier noch einige Sekunden herauszukitzeln.

Tolles Skill-System und sogar Boss-Kämpfe

Einen etwas enttäuschenden Eindruck lässt allerdings die optionale Bewegungssteuerung zurück. Mit ihr können die Joy-Con von der Switch abgekoppelt und als reale "Schläger" verwendet werden, wobei die Spielfigur unsere Schwung- und Abschlagbewegung nachahmen soll. Das funktionierte nur eingeschränkt präzise und führte immer wieder zu groben Fehlern, die sich aber aufgrund des wenigen Feedbacks erst nach dem Schlag bemerkbar machten. Wer mit Freunden die Joy-Con schwingt, wird sich über diese Art der Steuerung und die Bewegungen wohl schieflachen, im Multiplayer-Wettkampf hat man damit dagegen kaum eine Chance und auch im Einzelspieler-Modus bleibt man lieber bei der Standard-Steuerung.

Gut gelungen ist wiederum das Skill-System des Spiels. Egal ob man gerade trainiert, die Kampagne durchspielt oder gegen andere Golfer antritt, bei jeder Gelegenheit sammelt man Erfahrungspunkte, die zu Level-Aufstiegen führen. Und mit jedem Aufstieg lassen sich neue Punkte in Werte wie Ausdauer, Kontrolle oder Stärke investieren, was nicht nur ungemein lohnend ist, sondern in gewissen Modi auch die Voraussetzung darstellt, der Herausforderungen Herr zu werden. Abseits davon dreht sich auch am Platz nicht alles um den Golf-Sport. Im Abenteuer finden sich zahlreiche NPC für eher seichte Unterhaltungen, Die Story wartet mit netten Wendungen um fast alle spielbaren Charaktere auf und sogar Boss-Kämpfe sind zu finden.

Multiplayer sind im Vorteil

Bei den anderen Modis ist alles zu finden, was das Golfer-Herz höherschlagen lässt: Zwei-Spieler-Duelle, Gruppengefechte auf Zeit oder nach Punkten sowie das Standard-Golf mit bester Loch- oder Schlagzahl. Eine Besonderheit ist eine Art Arena-Battle in unterschiedlichen Ausführungen, bei dem es gleich neun Löcher auf einmal gibt. Wer am schnellsten drei davon einlocht, schnappt sich den Sieg. Dabei muss geschickt abgewägt werden, welche Löcher man zuerst ins Visier nimmt. Auch gibt es einen Cross-Modi, bei dem man selbst die Wege zu den Löchern entscheidet und mit einer sehr begrenzten Anzahl an Schlägen das Maximum herausholen soll.

Nett gestaltet: man kann meist selbst bestimmen, ob alle Spieler gleichzeitig oder nacheinander abschlagen. Grafisch ist "Mario Golf: Super Rush" dagegen nicht auf Hochglanz getrimmt. Beim genauerem Hinsehen zeigen sich selbst bei den Figuren etwas grobe Ecken und Kanten und immer wieder fallen verschwommene Details auf. Zudem wirken manche Kurse etwas leer, andere wiederum sind mit Objekten vollgestopft. Dem Spielspaß tut dies keinen Abbruch, denn meist geht es so schnell und hektisch zu, dass zum Umsehen sowieso keine Zeit bleibt. Wirklich auf ihre Kosten kommen in "Mario Golf: Super Rush" jene, die sich in den Multiplayer wagen. Auch wenn es einige Singleplayer-Parts gibt, ist der Kampf gegen menschliche Mitspieler so richtig rasant und witzig, dass das Abenteuer auch sein volles Potenzial auf der Switch ausspielen kann.

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