Szene

Mark Twain spricht aus dem Grab

Heute Redaktion
14.09.2021, 16:14

Mark Twain wurde wiederbelebt - zumindest sein Leben in Form eines Buches. Der legendäre US-Autor, Schöpfer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn, hatte zu Lebzeiten verfügt, dass seine Memoiren erst 100 Jahre nach seinem Tod veröffentlicht werden dürfen - und nun ist die Zeit gekommen.

Auf Deutsch erscheint "Meine geheime Autobiographie" in einer zweibändigen Ausgabe - eine Chance, den wunderbaren Schriftsteller und scharfzüngigen Kritiker der US-Gesellschaft noch einmal neu kennenzulernen.

Einblicke ins Leben

Ohne Vorbehalte gibt der als Samuel Langhorne Clemens (1835-1910) geborene Schriftsteller Einblick in sein Leben. Es ist eine Mischung aus Zeitkritik und Kindheitserinnerungen, messerscharfen Porträts und Familiengeschichten, immer mit trockenem Humor und viel Ironie erzählt.

Vorliebe: Deutsche

Für deutschsprachige Leser besonders vergnüglich sind die Eindrücke, die der Autor von seinen zahlreichen Europareisen mitbringt. So nimmt er die Vorliebe der Deutschen für zusammengesetzte Wörter mit einer Anekdote über Beutelratten und Hottentotten aufs Korn, die in dem Wortungetüm "Hottentottenstottertrottelmutterattentäterlattengitter-wetterkotter b eutelratte" endet.

Plauderton

Besonderen Charme bekommt das Buch durch den Ton, in dem es verfasst ist. Der Vielschreiber hatte sich 35 Jahre lang vergeblich bemüht, sein eigenes Leben schriftlich festzuhalten. Dreißig, vierzig Entwürfe wanderten in den Papierkorb. 1906, vier Jahre vor seinem Tod, begann er stattdessen, die Erinnerungen im Plauderton einer Stenografin zu diktieren. Daraus wurden mehr als eine halbe Million Wörter auf 5.000 Schreibmaschinenseiten.

In den USA erschienen anhand dieses Materials schon 1924, 1940 und 1959 Autobiografien, die aber nicht Twains Vorgaben entsprachen.

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