Nach dem beispiellosen Ansturm von Migranten auf die spanische Exklave Ceuta in der vergangenen Woche hat Marokko eine Mitverantwortung zurückgewiesen. Ein hochrangiger Regierungsvertreter in Rabat bestritt am Montag, dass die marokkanischen Grenzkontrollen unzureichend gewesen seien.
Die Zahl der Menschen, die in die an Marokko grenzende Exklave wollten, sei derart angeschwollen, dass die Sicherheitskräfte "an einem bestimmten Punkt" nicht mehr hätten eingreifen können. "Es ist zu einfach zu sagen, dass die marokkanischen Sicherheitskräfte einfach hätten Gewalt einsetzen können, um sie zu stoppen", sagte der Regierungsmitarbeiter.
Der marokkanische Vertreter verwies auf ein spanisches Gerichtsurteil, das schnelle Abschiebungen bei Einreisen über den Seeweg erschwert, schreibt n-tv.de. "Dieses Gerichtsurteil werde für Probleme sorgen – und es hat für Probleme gesorgt", so der Beamte.
In der vergangenen Woche hatten rund 60.000 Menschen – teils schwimmend – die spanische Exklave erreicht. Nach Angaben der spanischen Regierung kamen 72 Menschen dabei ums Leben. Die große Mehrheit der Migranten kehrte inzwischen nach Marokko zurück, nur noch etwa 2500 hielten sich am Montag in Ceuta auf.
Nach den Vorfällen gab es Spekulationen, dass Marokko die Menschen absichtlich durchgelassen haben könnte – etwa aus Verärgerung über einen Besuch des spanischen Regierungschefs Pedro Sánchez in Algerien. Die beiden Länder streiten seit Jahrzehnten um die Westsahara.
Spaniens Premier Sánchez vermutete hingegen, der Massenandrang sei auf von "Menschenhändlern" verbreitete Falschinformationen in Onlinenetzwerken zurückzuführen, die das Gerichtsurteil absichtlich falsch ausgelegt hätten.
Daniel Thym, Professor für Europa- und Völkerrecht an der Universität Konstanz, erklärte am Dienstagabend in der "ZIB2" bei Armin Wolf, dass es einen wesentlichen Unterschied mache, ob Marokko die Migrationsbewegungen aktiv gesteuert habe oder ob die Behörden lediglich weggeschaut hätten.
Für Spanien sei das ein Grundsatzproblem. Entscheidend sei nun, dass wieder funktioniere, was in der vergangenen Woche nicht funktioniert habe: die Zusammenarbeit zwischen Spanien und Marokko.
Mit Blick auf die Migrationspolitik seien sowohl die EU als auch Spanien auf die Kooperation Marokkos angewiesen. Gemeinsam mit den engen wirtschaftlichen Beziehungen bestehe eine wechselseitige Abhängigkeit zwischen beiden Seiten.