"Mass Effect Legendary Edition" im Test: Echt legendär

Wer mit "Mass Effect" bisher nicht in Berührung kam, der muss das nun nachholen. Doch auch für Kenner ist die "Mass Effect Legendary Edition" Pflicht.

Mit neuer Technik bringen BioWare und Electronic Arts die drei "Mass Effect"-Teile (aus den Jahren 2007, 2010 und 2012) samt ihrer rund 40 Erweiterungen nun in einem Gesamtpaket auf PC, PlayStation 4 und 5 sowie Xbox One und Xbox Series X|S. Es handelt sich um drei Games, die absoluten Kultstatus als Original genossen – umso höher waren auch die Erwartungen an die "Mass Effect Legendary Edition". Eins vorweg: Für die Trilogie braucht man Zeit. Rund 100 Spielstunden sind es alleine mit den Hauptinhalten.

Die Geschichte von "Mass Effect" beginnt im Jahr 2148. Forscher finden am Mars Überreste einer außerirdischen Rasse und können daraus Technologie herstellen. Durch diese und die Erzeugung des "Mass Effects" lässt sich die Masse von Objekten manipulieren – und Raumschiffe können in kürzester Zeit das Universum bereisen. So bilden sich mit der Entdeckung des Alls Allianzen aus Menschen-Gruppen und Aliens sowie ganz neue Kolonien und Lebensräume sowie Handelsposten, Friedensabkommen – aber auch Kriege zwischen Rassen, die sich erstmals gegenüberstehen.

Der Kampf gegen die Reaper beginnt

Vor diesem Hintergrund schlüpfen Spieler etwas später, im Jahr 2183, in die Haut von Commander Shepard, der oder die (der Spieler entscheidet über das Geschlecht) plötzlich vor einer Bedrohung der technisch weit fortschrittlichen Reaper steht, die alles Leben auszulöschen drohen. Dem nicht genug: In unserer Spezialeinheit, die sich dem Schutz des Lebens im All verschrieben hat, scheint ein Aussteiger abtrünnig zu werden und mit den Reapern gemeinsame Sache zu machen.

Wer es noch nicht geahnt hat: Commander Shepard steht auch in Teil 2 im Mittelpunkt und lernt dort einen neuen Feind, die Insekten-Wesen Kollektoren, kennen. Die scheinen mit den Reapern gemeinsame Sache zu machen, was für neue Gefahren sorgt. Und in Teil 3 entscheidet sich schließlich das Schicksal des Universums, wenn Shepard die Rassen im All befrieden muss, um gemeinsam erstarkt in den letzten Krieg gegen die Reaper ziehen zu können.

Smarte Einstieg, tolle Features

Die neue Trilogie bietet gleich einen praktischen Einstieg, denn sie installiert gleich sämtliche Inhalte gemeinsam auf PC oder Konsole. Das sorgt zum einen dafür, dass alle Erweiterungen in die Hauptteile integriert und sofort spielbar sind und zum anderen dafür, dass man auf PlayStation und Xbox fröhlich zwischen den drei Games wechseln und sie auch gleichzeitig anspielen kann. Die in den Originalen teils langen Ladezeiten sind nun zu Sekundenbruchteilen dahingeschrumpft, dazu kommt moderne Technik zum Einsatz.

Beleuchtung und Schatten in den Spielen wurden komplett überarbeitet, und auch die zu damaligen Zeiten gern kritisierten Charaktermodelle zeigen nun realistische Details und Emotionen. Neu für Perfektionisten ist, dass die Figuren noch detaillierter bearbeitet werden können. Die Head-up-Displays der Spiele sind zudem nun übersichtlicher und vereinfachter und wer sich neben der eigentlichen Spielzeit noch mehr Zeit nehmen will, kann wunderschöne Bilder und Effekte mit dem Fotomodus auf PC und Konsole zaubern.

Was die "Mass Effect"-Erfahrung ausmacht

Eine der spannendsten Spielereihen wurde die "Mass Effect"-Trilogie durch den starken Wechsel der Gameplay-Erfahrung. Erlebte man in Teil 1 ein handlungsgetriebenes Rollenspiel mit tiefgreifenden Entscheidungsmöglichkeiten samt gutem oder bösen Titelhelden, zeigte sich Teil 2 deutlich Action-lastiger und mit einem enormen Shooter-Anteil. Dafür arbeitet der zweite Teil aber auch die Nebencharaktere und Feinde noch stärker heraus. "Mass Effect 3" schafft es dann, das beste beider Vorgänger in sich zu vereinen und nicht nur ein enorm starkes Rollenspiel, sondern auch einen Film-Blockbuster abzuliefern.

Was ebenso interessant ist: Selbst in den ersten Spielstunden in Teil 1 getroffene Entscheidungen können sich noch in Teil 3 massiv auswirken und für einen ganz anderen Verlauf der Geschichte, aber auch für ganz unterschiedliche Persönlichkeiten bei Protagonist, Antagonist und Nebencharakteren sorgen. Ebenfalls neu in der "Legendary Edition" ist die Wahl zwischen Leistungsmodus (konstante Framerate) und Qualitätsmodus (hohe Auflösung). Die Möglichkeiten der verschiedenen Plattformen reichen dabei von 30 bis 120 FPS und von 1.080p bis 4K UHD.

Der Eindruck von "Mass Effect"

Erfreulich sind die grafischen Verbesserungen in allen drei Teilen, wobei der Unterschied zum Original beim allerersten Teil am deutlichsten ausfällt. Klar, keiner der Teile sieht wie ein komplett neuer AAA-Titel aus, dennoch sind die Animationen, Spielwelten und Figuren auch nach so vielen Jahren noch toll anzusehen. Die positivste "Erneuerung" betrifft aber das Gameplay, und da konkret die Schieß-Sequenzen. Die spielen sich nun viel ähnlicher den beiden Nachfolgern und bieten nun "Komfortoptionen" wie ein präzises Fadenkreuz, kein Waffen-Zittern mehr und tatsächlich lenkbaren Fahrzeugen. 

All die genannten Punkte waren im sonst so makellosen Original wirkliche Ärgernisse – und wurden nun allesamt ausgemerzt. Ganz vorbei ist es mit dem Frust aber nicht. Weiter ärgert man sich darüber, dass Feinde kaum Reaktionen zeigen, wenn sie von uns beschossen werden und wie starre Pappziele wirken, wenn sie nicht gerade von einer kuriosen KI gegen Hindernisse geleitet werden oder einfach ratlos in der Gegend herumstehen. Umso schöner sind nun aber die Planeten, die tatsächliche Abwechslung bieten und mit Effekten wie blendenden Sonnenstrahlen oder Sternschnuppen aufwarten. Zwar besitzt Teil 1 weiter die meisten Kritikpunkte der Trilogie, wurde aber unfassbar gut aufgepeppt.

Der Eindruck von "Mass Effect 2" und "3"

Auch in Teil 2 fallen schnell die noch schöneren Planeten-Umgebungen auf, in denen die Beleuchtungseffekte nun offenbar ihre maximale Leistungsfähigkeit ausspielen dürfen. Deutlicher als in den beiden anderen Teilen scheinen ganze Planeten komplett neu gestaltet worden zu sein, ein echter Augenschmaus. Statt vielerorts Grau in Grau mit fehlenden Details gibt es nun Regentropfen auf saftigen Wiesen oder allerlei vergessene Artefakte in vormals leeren Ecken zu bestaunen. Wie in Teil 3 halten sich dagegen die Gameplay-Neuerungen mit flüssigeren Animationen und minimalen HUD-Anpassungen in Grenzen. 

Am ehesten mit ganz modernen Game-Krachern mithalten kann auch optisch das neue "Mass Effect 3". In kaum einem anderen Game fand man sich in derart abwechslungsreichen Umgebungen wieder, die nun erneut durch die neuen Effekte profitieren. Doch auch das Treffer-Feedback und die Kampf-Inszenierung wurden noch einmal aufgepeppt. Schüsse reißen deutlichen Wunden in die Feinde oder hinterlassen Schrammen und Staubwolken in der Umgebung. Im Zusammenspiel mit den detaillierteren Hintergründen fühlt man sich schnell als tatsächlich kleiner Kämpfer in einer gewaltigen Schlacht. 

Eine echt legendäre Trilogie

Alle drei "Mass Effect"-Teile zählen zum Besten, das das Rollenspiel-Genre zu bieten hat, und dürfen nun endlich nicht nur mit neuer Grafik und teils neuem Gameplay, sondern auch mit der Beseitigung der größten Kritikpunkte genossen werden. Vor allem für Neulinge ist dies ein perfekter Zeitpunkt, in die erzählerisch so starke Serie einzutauchen und über die eigene Entwicklung ebenso zu bestimmen wie über das Schicksal der gesamten Galaxie. Doch auch Kenner der Original-Teile werden überrascht sein, wie tiefgehend vor allem die grafischen Neuerungen des "Mass Effect Legendary Edition" sind.

Dass auch gleich fast alle Erweiterungen mitgeliefert werden, die allesamt ebenfalls von den Verbesserungen profitieren, ist das Sahnehäubchen am Kuchen. Weder optisch, noch spielerisch, kann die neue Trilogie mit neuesten Games mithalten – immerhin hat der erste Teil bereits 14, der dritte Teil bereits neun Jahre auf dem Buckel. Dennoch gehören alle drei Teile in absolut jede Spielesammlung, egal ob man Rollenspiele mag oder nicht. Und die "Mass Effect Legendary Edition" ist die definitive Fassung der Spielereihe, die man sich anschaffen sollte.

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