Masturbieren, evaluieren, abservieren!

Eigentlich ist Sarah Kuttner Kollegin Charlotte Roche weit voraus: In ihrem Roman Wachstumsschmerz gehts bereits auf Seite eins um übel riechende Toiletten, Roche trödelt da in Schoßgebete noch mit Blümchensex auf Heizdecken herum. Und trotzdem. Irgendwie wirkt Kuttners literarische Antwort auf die Quarterlife-Crisis unstimmig. Eventuell auch,weil der Leser danach mehr Probleme hat als davor.

Eigentlich ist Sarah Kuttner Kollegin Charlotte Roche weit voraus: In ihrem Roman „Wachstumsschmerz“ geht’s bereits auf Seite eins um übel riechende Toiletten, Roche trödelt da in „Schoßgebete“ noch mit Blümchensex auf Heizdecken herum. Und trotzdem. Irgendwie wirkt Kuttners literarische Antwort auf die Quarterlife-Crisis unstimmig. Eventuell auch,weil der Leser danach mehr Probleme hat als davor.

Beide talkten für den Musiksender Viva, beide gingen unter die Autoren, beide legten zeitnah zwei Romane für die Generation 30+ vor. Während sich Roche in „Feuchtgebiete“ und „Schoßgebete“ Intimrasuren, Analsex und ehelichem Beischlaf widmet und damit weit mehr als eine Million Bücher verkaufte, wechselte Kuttner vom In-Thema Burn-out in „Mängelexemplar“ ruckzuck zum Dilemma Durchschnittlichkeit der Jung-Dreißiger.

Generation 30+

Und die gilt es in „Wachstumsschmerz“ gegen ein erfülltes Erwachsenenleben einzutauschen: gut bezahlter Job, liebender Adonis und steigender Wunsch nach Nestbau inklusive. Blöd nur, dass das so nicht funktioniert, schon gar nicht auf 280 Seiten. Das Leben der Heldin Luise ist eine einzige Waagschale. Es wird pausenlos evaluiert, reflektiert, diskutiert, neu konzipiert – und am Ende eh wieder alles verworfen.

Kuttner hat schon recht: Erwachsen werden nervt, auch, aber vor allem, weil wir 15 Jahre später damit starten als Muttern und Co. Aber nach dem Breittreten des Desasters lehnen wir uns nicht etwa weise zurück. Nein, wir fragen: Brauchen wir zu allem Überfluss jetzt auch noch neue Schuhe …?

Den Vergleich mit Roche mag Kuttner gar nicht. Und das hat natürlich nichts mit deren Mega- Erfolg zu tun, sondern allein mit der flutschigen Thematik: Roches Werk ist ihr „ein vollgesogener Tampon zu viel“, erklärt Sarah im Spiegel: „Ficken, kacken, kotzen am laufenden Band“, das liegt ihr nicht.

Maria Dorner

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