2:1! Salzburg bricht Rapid im Bundesliga-Topspiel in letzter Sekunde das Herz. Der Leader schlägt in der 94. Minute zu und entreißt den Hütteldorfern den schon sicher geglaubten Punkt.
Der große Held der Hausherren: Zlatko Junuzovic.
Der 34-Jährige teilt mit den 16.000 Fans, die trotz eisiger Temperaturen und leichten Schneefalls ins Stadion gekommen sind, einen besonders emotionalen Moment. Erst kürzlich hat Salzburg die bevorstehende Trennung bekanntgegeben. Sein auslaufender Vertrag wird nicht verlängert. Anhänger bedanken sich mit Junuzovic-Transparenten für die gemeinsame Zeit.
Mit einem Einsatz rechneten wohl die Wenigsten. Junuzovic fehlte monatelang verletzt, war zuletzt nicht mehr in den Plänen von Trainer Matthias Jaissle. Der Deutsche setzt in der 85. Minute für die Schlussoffensive auf seinen Routinier. Der zahlt das Vertrauen zurück.
In der 94. Minute fällt ihm nach einem gescheiterten Rapid-Klärungsversuch zweier Rapid-Verteidiger der Ball vor die Füße. Er schiebt trocken ein. Es folgen Momente der Ekstase. Und Junuzovic-Sprechchöre.
Beim anschließenden "Sky"-Interview präsentiert er sich immer noch euphorisiert: "Fantasien hat man immer. Heute habe ich mir erhofft, reinzukommen. Dann hat man immer Gedanken. Dass der Abpraller dann wirklich so kommt – da wusste ich dann auch nicht mehr, was ich beim Jubel machen soll. Ich glaube, mir ist die eine oder andere Träne gekommen. Ich bin überglücklich. Solche Geschichten schreibt nur der Fußball."
Nach dem Abpfiff holte er Sohn Felix zu sich auf den Rasen, jubelte gemeinsam mit dem Sprössling: "Ich wollte ihn sowieso mit auf den Platz nehmen."
Junuzovic über seine lange Verletzung, den harten Weg zurück: "Ich mache mir überhaupt keinen Druck. Für mich ist es das Allerschönste, überhaupt bei der Mannschaft zu sein. Es war eine brutal harte Zeit die Monate in der Reha. Du bist ein bisschen verloren, suchst einen Weg aber es kommt nichts. Jetzt so viel Positives. Die letzten Wochen waren für mich einfach emotional. Ich genieße das einfach."
Junuzovic, auf das "Angebot" von Austria-Sportdirektor Manuel Ortlechner angesprochen: "Wir hatten schon Kontakt. Wir sind ja auch gut befreundet, haben jahrelang zusammengespielt. Ich mache mir keinen Stress und Druck. Ich muss das mit meiner Familie besprechen. Mit den zwei Kindern muss alles gut durchdacht sein. Ich fühle mich gut und noch jung. Wir werden es sehen."
Ortlechner sagte vor dem Spiel in einem Interview: "Bei ihm ist eher die Frage, ob er lieber in den Flieger steigt oder in die Westbahn. Wir sind befreundet und no na ned habe ich zu ihm gesagt, Zlatko bevor du in Österreich irgendwo anders hingehst, habe ich den Schlüssel zum Stadion und ich kann dir aufsperren." Und: "Sollte er wirklich diesen Wunsch haben, in Violett noch einmal aufzulaufen, könnte er damit sehr viele Menschen hier glücklich machen."