KI im Hörsaal

Mathe-Prof: Benotung ist sinnlos geworden

Ein Mathe-Professor benotet Hausaufgaben nicht mehr, weil seine Studenten ohnehin alle KI verwenden. Er zweifelt sogar am Sinn des Studiums.
27.10.2026, 13:07
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Richard Borcherds, Mathematik-Professor an der renommierten UC Berkeley in Kalifornien, hat genug. Er benotet die Hausaufgaben seiner Studenten nicht mehr. Der Grund: Es sei mittlerweile unvermeidbar geworden, dass Studierende Künstliche Intelligenz wie ChatGPT einsetzen. Daher sei es sinnlos, Lehrkräfte dafür zu bezahlen, Arbeiten auf ihre Richtigkeit zu prüfen.

In den USA nutzen College-Studenten ChatGPT häufiger als jede andere Zielgruppe, ergab eine Analyse von OpenAI. In Deutschland sieht es ähnlich aus: 92 Prozent der Befragten einer bundesweiten Studie der Hochschule Darmstadt nutzen Tools wie ChatGPT zumindest gelegentlich.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Mittlerweile bewertet Borcherds die Hausaufgaben nur noch danach, ob sie vollständig abgegeben wurden, heißt es auf t3n. Das sei "kein besonders gutes System", räumte er ein, aber er habe derzeit keine Alternative. KI-Detektoren wie Turnitin erwiesen sich als unzuverlässig: Bei einer australischen Uni sollen 90 Prozent der gemeldeten KI-Verdachtsfälle Fehlalarme gewesen sein.

Mathematik studieren - noch sinnvoll?

Doch es geht um mehr als nur um Noten. OpenAI gab kürzlich bekannt, mit seinen KI-Modellen eine Reihe mathematischer Probleme gelöst zu haben, darunter das berühmte Navier-Stokes-Existenz- und Glattheitsproblem. "Wenn sich die KI weiterhin im derzeitigen Tempo verbessert, wird es in wenigen Jahren nichts mehr geben, was menschliche Mathematiker tun können, was die KI nicht besser kann", so Borcherds.

Der Professor wisse selbst nicht mehr, ob er jungen Menschen noch empfehlen solle, Mathematik zu studieren. Dabei hätte der Beruf angesichts des KI-Booms vor fünf Jahren noch als einer der sichersten gegolten. "Ich habe sogar ChatGPT genau diese Frage gestellt, und selbst ChatGPT sagte, es habe keine Ahnung, was passieren werde", gestand er.

Studien zeigen die Folgen

Dabei zeigen Untersuchungen bereits, dass die KI-Nutzung Konsequenzen haben kann: Schüler, die ihre Mathe-Hausaufgaben mit ChatGPT erledigten, schnitten in Prüfungen laut einer Studie schlechter ab als jene, die ohne KI lernten. In Deutschland nutzen 62 Prozent der Jugendlichen bereits regelmäßig KI-Tools für ihre Hausaufgaben.

Als Reaktion auf die Entwicklungen hat sich die "Association for Human Mathematics" gegründet. Sie will sich dafür einsetzen, "die Mathematik als menschliches Unterfangen vor der Bedrohung durch Künstliche Intelligenz" zu schützen.

tec, 27.10.2026, 13:07