Lothar Matthäus war als Fußballer Welt- und Europameister. Er war am Platz Libero und ehrgeiziger Antreiber, holte mit Bayern und Inter Mailand Meistertitel und war 1991 Weltfußballer.
Über den Dächern von Madrid traf "Heute" den heutigen Sky-Experten zum Interview. Matthäus bestellte sich einen Espresso und sprach über ...
… ÖFB-Teamchef Ralf Rangnick:
"Für den österreichischen Fußball ist Rangnick ein Geschenk. Er hat den Fußball verändert: aggressiv, schnell, ständiges stören – da war er seiner Zeit voraus. Das macht er jetzt auch mit dem Nationalteam. Ihr habt nicht das Potenzial von Frankreich, Spanien oder Deutschland. Beim Nationalteam blühen aber eure Spieler auf. Jeder Spieler weiß, was der Trainer will und setzt das um. Das macht euch stark. Rangnick blieb seinem Stil treu, zieht das durch. Seine Mannschaften verzaubern auch uns Deutsche."
… ein mögliches ÖFB-Aus von Rangnick:
"Als ÖFB würde ich Rangnick mehr Macht geben. Ich würde ihm alles geben, was er will, weil er einen geilen Job macht. Ich sehe keinen Nachfolger, der dieses Amt in dieser Qualität ausführen kann. Ihr müsst wissen, wo ihr herkommt und was euch zur Verfügung steht. Als kleines Land macht ihr einen guten Job. Wirtschaftlich ist Rangnick nicht unverschämt. Er will seinen Weg gehen. Er weiß, was er macht – auch im Nachwuchs."
… Österreichs Chancen bei der Fußball-WM:
"Wenn Österreich so auftritt wie zuletzt, habt ihr die Chance, den Großen ein Bein zu stellen. Es gibt sechs, sieben Teams, die ich höher einordne. England, Spanien und Frankreich sind die großen Favoriten. Österreich kann mit weniger Qualität bei den Einzelspielern erfolgreich sein. Ihr müsst als Einheit auftreten, an euch glauben. Dann ist das Viertelfinale drin. Das wäre ein Erfolg. Du kannst nicht sagen, du wirst Weltmeister – das wäre übertrieben. Als einziges Problem sehe ich die Torhüter-Position."
… seine Salzburg-Zeit unter Mateschitz:
"Ich und Hansi Flick hatten in Salzburg das vor, was Rangnick dann gemacht hat. Das war unsere Idee. Darum holte ich Hansi, der nach zwei Monaten als Co-Trainer zum DFB-Team ging. Es war unser Plan, Red Bull so spielen zu lassen. Rangnick hat das dann mit voller Unterstützung vom Verein durchgezogen. Wir hatten die nicht, Trapattoni kam dann als Trainer. Mit "Trap" kannst du nicht so einen Fußball spielen lassen."
… Österreichs Bundesliga:
"Es ist ja schön, dass die Liga spannend ist. Aber es fehlt die Qualität. Sturm ist mit vier Punkten Vorsprung am Weg zum Meister, spielt aber auch keine überragende Saison. Der österreichische Fußball ist irgendwo in Europa. Das tut mir weh. Da muss man sich Gedanken machen. Die Nationalmannschaft macht es ja vor, dass es auch anders geht."
… Krise in Salzburg:
"Ich sehe nicht den Weg unter Jürgen Klopp. Die Anzahl der Ausrutscher ist zu hoch. Früher fuhr der Münchner gerne nach Salzburg, weil er dort attraktiven Fußball sah. Heute wird in München nicht mehr darüber gesprochen. Da muss auch ein Oliver Mintzlaff nachdenken, wie man die Leute mitnimmt."
… DFB-Team und Kritik an Julian Nagelsmann:
"Für seine Arbeit mit dem DFB-Team lobe ich Nagelsmann. Einige Aussagen von ihm sind unnötig. Er sagt was, macht es dann anders – das irritiert die Fans. Julian bringt sich damit in Schwierigkeiten. Nur ein Beispiel: Nagelsmann sucht einen großen Mittelstürmer für vorn drin. Das ist sein Recht. Das ist Undav für ihn nicht. Ich sehe das auch so. Undav ist ein Stürmer, der rundherum spielt, saugefährlich ist, wenn der Ball flach ist. Nagelsmann macht es sich da selbst schwer. Warum die ganzen Diskussionen?"
… Härte im Fußball:
"Natürlich wurde früher härter gespielt. Diego Maradona wurde so was von getreten. Darum habe ich mich mit ihm gut verstanden, weil ich hart, aber fair zu ihm war. Offensivspieler werden heute besser geschützt. Das ist gut so, deshalb fallen vielleicht auch wieder mehr Tore. Verteidiger können nicht mehr mit dieser Härte in die Zweikämpfe gehen."
… Fußballer als Vorbilder:
"Messi und Ronaldo haben eine Generation von Kindern geprägt. Man muss ihnen Danke sagen. Es geht da nicht nur um Tore, sie geben den Kindern Träume. Mein Vorbild war Günter Netzer – Nummer 10, diese langen, blonden Haare, er hat den Ball gestreichelt. Als Zehnjähriger legte ich mir den Ball auf der Wiese beim Eckball so hin wie Netzer. Das Schöne ist: Heute ruft mich mein Idol an, ist er mein Freund. Das ist eine traumhafte Geschichte von Vorbildern im Fußball.