Österreich

Matura-Desaster – rund 8.000 sind wohl durchgefallen

So viele Maturanten wie schon lange nicht sollen heuer die "Reifeprüfung" im ersten Anlauf vergeigt haben.

Niki Glattauer
Niki Glattauer war Lehrer und Schuldirektor und vergibt in "<em>Heute</em>" Noten.
Niki Glattauer war Lehrer und Schuldirektor und vergibt in "Heute" Noten.
Sabine Hertel

Wenn stimmt, was man mir zuträgt, ist die schriftliche Matura heuer so schlecht ausgefallen wie seit Jahren nicht. Nach Auswertung der Kompensationsprüfungen, so höre ich, gehe man davon aus, dass hochgerechnet mehr als 20 % der Prüflinge diesmal zum Haupttermin NICHT bestanden haben werden (mündliche Prüfungen ab heute). In Zahlen ausgedrückt hätten damit rund 8000 der rund 42.000 AHS- und BHS-Maturanten ihre "Reifeprüfung" im ersten Anlauf vergeigt.

Auffällig sei gewesen, dass sich die Einrechnung der Jahresnote diesmal weniger positiv ausgewirkt habe als erwartet. Vor allem in Mathe hätten viele die geforderten "mindestens 30% der schriftlich gestellten Aufgaben" nicht richtig lösen können.

Womit das Match künstliche gegen natürliche Intelligenz an die Maschine ginge: Bei einem Test der Schülervertretung im März hatte ChatGPT die Matura 2022 mit einem 3er in Englisch und je einem 4er in Deutsch und Mathe solide geschafft.

Doppelt so viele Sonderpädagoginnen nötig

Die Gewerkschaft hat also errechnet, dass unser Bildungssystem 3000 zusätzliche Sonderpädagogen braucht, noch einmal so viele, wie es gibt. Danke! Sage ich seit gefühlt 30 Jahren. Vor allem in Wien, wo es zuzugsbedingt die meisten Härtefälle gibt, überfordern Kinder mit psychischen, mentalen und kognitiven Problemen ihre Lehrerinnen und sprengen damit Volks- und Mittelschulklassen.

Fazit: Der unsinnige Deckel von 2,7% (mehr Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf sind nicht vorgesehen und werden auch nicht finanziert) gehört gekübelt und das Papier der Realität angepasst statt umgekehrt. Was es auch braucht, sind mehr Spezial-Klassen. Nicht um Kinder zu segregieren, sondern um ihnen gerecht werden zu können: mit eigenen Stundenplänen, Fachleuten, in Kleingruppen, nicht selten in 1:1-Betreuung. Schulen mit „Sonder-Klasse“ gehören gefördert und für andere weit geöffnet. Zum Beispiel (auch) für Hochbegabte...

Kritik an Gratis-Essen und Lehrer-Laptops

Ist halt typisch. Da prescht die rot-pinke Wiener Stadtregierung vor und kündigt an, im nächsten Schuljahr für alle Kinder in Ganztags-Volks- und Mittelschulen kostenfreies Mittagessen einzuführen, schon melden sich Kolleginnen und finden Haare in der Gratis-Suppe. So schreibt mir der Direktor einer VS zynisch: "Hier sollen offenbar Eltern für die Zwangstagsschule geködert werden. Damit wird die Wahlfreiheit, ob sie ihre Kinder nachmittags zu Hause haben wollen oder lieber ganztags in der Schule parken, subtil hintertrieben."

Tja. Ob der Kollege auch gegen den Plan des Bildungsstadtrats ist, künftig alle Wiener Volks- und Mittelschul-Lehrerinnen mit eigenen Gratis-Laptops zu versorgen? Denn hier wird die Wahlfreiheit, ob man mit Kindern künftig auch digital arbeiten will oder weiter nur auf Schwamm & Tafel setzt, auch subtil hintertrieben.

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    Denise Auer, "Heute"