Medizinstudentin: "Arzt wollte, dass ich String trage"

Eine Medizinstudentin packt über ihre Zeit in einer Wiener Ordination aus. "Ich frage mich im Nachhinein, wie ich das durchgehalten habe."
Eine Medizinstudentin packt über ihre Zeit in einer Wiener Ordination aus. "Ich frage mich im Nachhinein, wie ich das durchgehalten habe."iStock (Symbolbild)
Abschätzige Bemerkungen und Sexismus erlebte eine Medizinstudentin während ihrer Arbeit in einer Wiener Ordination. 

Nachdem immer mehr Frauen Übergriffe und Sexismus bei Ärzten schildern, packt nun auch eine Medizinstudentin aus. Die Wienerin arbeitete während ihres Studiums vier Jahre lang in der Ordination eines Wahlarztes. "Er hat ständig abschätzige Bemerkungen gemacht", erzählt Anna (Name geändert) im Gespräch mit "Heute".

"Es ging soweit, dass er gemeinsam mit Patienten schlecht über andere Studenten geredet hat. Über eine Kollegin wurde gesagt, dass sie dick ist und abnehmen soll und dass Frauen eigentlich nicht in die Medizin gehören."

Auch ihre ehemaligen Kolleginnen hätten ähnliche Erfahrungen beim damals 65-Jährigen gemacht. "Es ging soweit, dass er gemeinsam mit Patienten schlecht über andere Studenten geredet hat. Über eine Kollegin wurde gesagt, dass sie dick ist und abnehmen soll und dass Frauen eigentlich nicht in die Medizin gehören."

Vom Oberarzt "Schatzi" genannt

Auch Sexismus erlebte die Wienerin in der Ordination. "Einmal schimmerte meine Unterwäsche leicht durch die weiße Hose. Der Arzt hat daraufhin gesagt, ich kann mich ruhig öfter bücken und soll einen String tragen." Die sexistischen Witze und abschätzigen Aussagen wollte sich die Medizinstudentin nicht daraufhin nicht länger gefallen lassen. "Ich habe das öfter angesprochen, aber er meinte nur, dass wir uns schon ein bisschen was gefallen lassen müssen. Im Nachhinein frage ich mich, wie ich das so lange ausgehalten habe."

Es war die Angst vor dem Jobverlust, die die Wienerin lange Zeit von der Kündigung abhielt. "Ich brauchte das Geld und mochte den Großteil der Patienten. Nach vier Jahren haben eine meiner Kolleginnen und ich es aber nicht mehr ausgehalten und haben gekündigt." Nicht nur in Ordinationen ist Sexismus ein Thema. Eine Studentin berichtete gegenüber dem "biber"-Magazin, dass sie während einer Operation in einem kleinen Wiener Spital vom Oberarzt "Schatzi" genannt wurde. Als sich die angehende Chirurgin in der gemischten Umkleide umzog, kommentierte der selbe Arzt, dass sie sehr schöne Unterwäsche trage. 

Jede zweite Ärztin erlebte anzügliche Bemerkungen

Dass es sich bei den Erfahrungen von Anna um keinen Einzelfall handelt, zeigt die Umfrage "Frauen in der Medizin" aus dem Jahr 2018. Österreichweit wurden 3.000 Ärztinnen zum Thema Sexismus am Arbeitsplatz befragt. 45 Prozent gaben an, unerwünschte, einschlägige Berührungen erlebt zu haben. Geringschätzige Bemerkungen über Frauen hörten 47 Prozent.

2019 hat die Ärztekammer Wien eine eigene Ombudsstelle für Mobbing, Gewalt, Sexismus und Rassismus für Ärzte und Ärztinnen, sowie für Medizinstudenten und Medizinstudentinnen eingerichtet. Meldungen zum Thema Sexismus blieben laut der zuständigen Ombudsfrau, Dr.in Julia Göd, bisher aus. "Das hat uns überrascht. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt. Ich arbeite seit 20 Jahren in der Medizin und habe als junge Ärztin ebenfalls Sexismus erlebt. Damals habe ich aber auch nichts gesagt", erzählt Göd gegenüber "Heute".

Laut der Ärztin spielt Scham oft eine große Rolle. "Es herrscht meistens ein Machtgefälle. Viele wollen nicht das Gesicht im Team verlieren oder als die Problemmitarbeiterin bekannt sein." 

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