Ein kleiner Meereswurm sorgt für Staunen in der Wissenschaft. Die Kiefer des Borstenwurms Perinereis cultrifera bestehen nicht aus Knochen oder Kalk, sondern aus einem völlig neuartigen Material.
Dieses sogenannte Bio-Metall verbindet Strukturproteine mit Metallionen und erreicht dadurch eine Härte, die man sonst nur von technischen Werkstoffen kennt.
Wie Forschung und Wissen schreibt, haben Wissenschafter der TU Wien und der Universität Wien das Material mit speziellen Nano-Messungen untersucht. Die Ergebnisse zeigen ein mechanisches Verhalten, das sonst nur von Metallen wie Kupfer oder Silber bekannt ist.
Die Forscher fanden heraus, dass die Metallionen an den Spitzen des Kiefers dichter sitzen als im Zentrum. So verlagert die Natur die Härte gezielt dorthin, wo das Werkzeug beim Zubeißen am stärksten belastet wird.
Besonders überraschend: Je kleiner der geprüfte Bereich, desto härter erschien das Material - ein Phänomen, das man sonst nur von kristallinen Metallen kennt. Der Wurmkiefer besitzt aber kein metallisches Kristallgitter.
Die Entdeckung könnte weitreichende Folgen für die Technik haben. Denkbar sind selbstschärfende Schneiden oder verschleißfeste Beschichtungen, die ohne energieaufwendige Metallverarbeitung auskommen.
Besonders reizvoll: Die Natur erzeugt diese Härte bei Raumtemperatur und im Wasser, während technische Hartstoffe oft hohe Temperaturen erfordern.