Österreich

Mega-Schlag gegen Fälscherwerkstatt in Wien

Heute Redaktion
14.09.2021, 15:53

Dem Bundeskriminalamt und dem Landeskriminalamt Wien ist es in Zusammenarbeit mit Europol gelungen, erstmalig in Österreich eine professionelle Fälscherwerkstätte auszuheben. Diese steht unter Verdacht, sowohl Urkunden als auch Geld gedruckt zu haben.

Unter dem Operationsnamen "Paradise City" ermittelte das Bundeskriminalamt und die Außenstelle West des Landeskriminalamts Wien bereits seit zwei Jahren gegen eine kriminelle Organisation wegen Geldfälschung, schweren und gewerbsmäßigen Betrugs, Urkundenfälschung sowie Vergehen nach dem Waffengesetz. An 14 Standorten in Wien und Niederösterreich haben die Ermittler am Dienstag um 6 Uhr Früh zeitgleich zugegriffen, so Innenministerin Johanna Mikl-Leitner.

Insgesamt waren 220 Beamte des Bundeskriminalamts, des Landeskriminalamts Wien, der Bereitschaftseinheit, der WEGA, der Cobra und vier Ermittler von Europol mit Unterstützung der Österreichischen Nationalbank im Einsatz.

12 Täter gefasst

Bei den Tätern handelt es sich um neun serbische und drei österreichische Staatsbürger, darunter neun Männer und drei Frauen im Alter von 15 bis 42 Jahren. Der Haupttäter agierte mit gefälschten Dokumenten und Aliasdaten.

Bei den insgesamt 14 Hausdurchsuchungen, 13 davon in Wien, wurde eine komplette Falschgeldwerkstätte mit Equipment, Falschgeld und gefälschten Urkunden vorgefunden. An weiteren Standorten in Wien konnten ebenso gefälschte Banknoten, eine Schusswaffe, Laptop, Handys usw. sichergestellt werden.

366.310 Euro sichergestellt

Gefälscht wurden vor allem 100, 50 und 10 Euro-Banknoten als auch Dokumente und Urkunden. Insgesamt konnten Euro-Scheine in der Höhe von 366.310 Euro sichergestellt werden, darunter: 2.613 Stück gefälschte 100-Euro-Scheine fertig bzw. fast fertig gedruckt, noch nicht geschnitten, 915 Stück gefälschte 100 Euro-Scheine geschnitten und gebündelt, 265 Stück gefälschte 50 und sechs Stück gefälschte 10 Euro-Banknoten. Weiters wurden 1.507.000 Serbische Dinar (RSD) und Echtgeld in der Höhe von 3.575 Euro gefunden sowie ein Geländewagen und ein weiterer Pkw sichergestellt.

In Lokalen und Supermärkten verteilt

Das von dieser kriminellen Vereinigung produzierte Falschgeld ist bereits seit August 2011 vor allem in Wien und Umgebung in Lokalen und Supermärkten, aber auch im Ausland aufgetaucht und wurde teilweise sichergestellt. Die Herstellung der qualitativ guten Banknoten erfolgte mit Laser- und Inkjetdrucker sowie weiteren Geräten zur Nachahmung der Sicherheitsmerkmale.

Bei den gefälschten Dokumenten handelt es sich um bulgarische, italienische und slowenische Personalausweise, österreichische Führerscheine und Zulassungsscheine, § 57a-Gutachten, Begutachtungsplaketten und Behindertenpässe.

Mit der Festnahme der zwölf verdächtigen Personen, darunter Produzent, Vermittler und Verteiler, wurde die gesamte Gruppierung zerschlagen.

In Österreich gab es 2012 etwas mehr gefälschte Banknoten als im Jahr zuvor. 6.327 "Blüten" mit einem Nennwert von 465.000 Euro wurden sichergestellt. 2011 lag die Schadenssumme bei rund 454.000 Euro.



Europaweit ging die Zahl der Euro-Fälschungen um zwölf Prozent zurück, von 606.000 im Jahr 2011 auf 531.000 im vergangenen Jahr. 2012 betrug der Anteil Österreichs an den gesamten Euro-Fälschungen 1,19 Prozent, im Jahr zuvor lag er bei 0,92 Prozent.



Die Qualität der in Wien sichergestellten Blüten bezeichnete Jechoutek als "besseren Durchschnitt“. Fälschungen, die auch einen Kippeffekt aufweisen, seien bisher nicht aufgetaucht.



 So erkennt man "Blüten":

Auf der Vorderseite der Banknoten sind Teile des Druckbildes (Schriftzug "BCE ECB EZB EKT EKP" am oberen Rand) zu fühlen. Gegen das Licht gehalten werden das Wasserzeichen, der Sicherheitsfaden und die sonst unvollständige Zahl sichtbar. Beim Kippen erscheinen auf der Vorderseite im Hologramm verschiedene Motive. Für einen Einzelnen ist die Gefahr gering, mit "Blüten" in Berührung zu kommen. Wenn aber doch, bleiben Verbraucher oder Handel auf den Kosten sitzen - Falschgeld wird nicht ersetzt.



Einige der größeren Falschgeld-Fälle in Österreich in den vergangenen fünf Jahren:


 Juni 2013: Unter dem Codenamen "Operation Paradise City" wird eine Bande zerschlagen, die von Wien aus zunächst Dokumente und dann Geld im großen Stil gefälscht hat. "Blüten" mit einem Nennwert von 366.310 Euro werden sichergestellt, zwölf Verdächtige festgenommen.
 März 2013: In Zell am See im Salzburger Pinzgau fasst die Polizei einen professionellen Geldfälscher und stellt Falschgeld mit einem Nennwert von 124.500 Euro sicher. Der 35-jährige Italiener gibt zu, die 2.490 Stück 50-Euro-Blüten aus Italien eingeschmuggelt zu haben.
 März 2012: Ein 32-jähriger Neapolitaner wird am Klagenfurter Landesgericht wegen Besitzes und Weitergabe von Falschgeld zu zwölf Monaten Haft - vier davon unbedingt - verurteilt. Anfang Jänner 2012 hatte er in Klagenfurt mit Falschgeld Waren im Wert von 4.600 Euro gekauft. Laut Polizei stammten die "Blüten" aus Neapel. Der Mann gestand, dort mit zwei Komplizen 50 bis 55 Stück 100-Euro-Scheine um je 20 Euro gekauft zu haben.
 Oktober/November 2010: In Wien und Niederösterreich bringt die Polizei zwei Geldfälscherbanden bei Scheinkäufen auf, insgesamt gibt es sieben Festnahmen. 200.000 Euro in "Blüten" werden sichergestellt. Das Falschgeld stammte aus Bulgarien.
 Februar 2009: Polizei, Europol und Nationalbank geben die Aushebung einer auf 100-Euro-Noten spezialisierten Falschgelddruckerei in Serbien bekannt, die ihre "Blüten" auch nach Österreich exportierte. Die Bande verteilte ihre gefälschten Hunderter in zahlreichen Ländern, neben Österreich waren die Niederlande, Italien, Slowenien und Griechenland hauptbetroffen. 13.522 "Blüten" werden sichergestellt. Allein in Österreich werden 16 Personen festgenommen - Kuriere und Verteiler.
 März 2008: Zum ersten Mal wird in Österreich eine Geldfälscherwerkstatt ausgehoben. Südlich von Graz wurde eine Halle und eine Garage zur Produktion von 50-Cent-Münzen genutzt. Die vier Steirer befanden sich allerdings erst im Versuchsstadium: Insgesamt werden nur nachgemachte acht Münzen sichergestellt.

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