Wien

Mega-Strafen – Sprayer müssen an Wiener Linien blechen

Nachdem zwei Deutsche (21, 26) Züge der ÖBB und der Wiener Linien in Wien besprüht hatten, müssen beide nun tief ins Börserl greifen.

Nicolas Kubrak
Weil zwei Graffiti-Sprayer Zuggarnituren der Wiener Linien und der ÖBB beschädigten, erhielten sie nun hohe Geldstrafen.
Weil zwei Graffiti-Sprayer Zuggarnituren der Wiener Linien und der ÖBB beschädigten, erhielten sie nun hohe Geldstrafen.
Tobias Steinmaurer / picturedesk.com

Wie schnell und vor allem wie lange man im Gefängnis landen kann, haben zwei junge Deutsche in Wien erfahren. Die beiden Männer - 21 und 26 Jahre alt - waren Ende Mai in die Bundeshauptstadt gereist, "weil sich in der Szene rumgesprochen hat, dass man hier relativ ungestört sprayen kann", wie der 26-Jährige am Freitag am Landesgericht erzählte.

"Kam sehr schlecht zurecht"

Seither saß der 26-Jährige, der drei Vorstrafen wegen Diebstahl, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch aufweist, aber bis zu seiner Festnahme noch nie das Haftübel verspürt hatte, in U-Haft. Zur Verhandlung wurde er in Handschellen von einem Justizwachebeamten in den Gerichtssaal in Wien gebracht. Auf die einleitende Frage des Richters, wie es ihm gehe, meinte er, von den Haftbedingungen sichtlich mitgenommen: "Ich kam den ersten Monat sehr schlecht zurecht. Ich war sehr suizidal veranlagt. Aufgrund der Medikamente habe ich mich an den Alltag mehr oder weniger gut gewöhnt."

ÖBB wollte ursprünglich 100.000€

Der bisher unbescholtene 21-Jährige war ebenfalls in U-Haft genommen worden, wo der äußerlich deutlich jünger Wirkende wochenlang auf der Erwachsenenabteilung in der überbelegten Justizanstalt Josefstadt einsaß, ehe Ende Juni einem Enthaftungsantrag seines Verteidigers Matej Zenz stattgegeben wurde. Ausschlaggebend für die Inhaftierung des 21-Jährigen dürfte vor allem gewesen sein, dass die ÖBB ihm ursprünglich einen Schadensbetrag von 100.000 Euro zurechneten. Was - wie sich im Zuge der jetzigen Verhandlung herausstellte - massiv überzogen war.

Die Sprayer hätten bewusst darauf geachtet, dass es sich um ältere Modelle handle. (Symbolbild)
Die Sprayer hätten bewusst darauf geachtet, dass es sich um ältere Modelle handle. (Symbolbild)
Albin Schuster / picturedesk.com

Gesamtschaden bei ÖBB 18.000 € und Wiener Linien 18.500 €

"Begonnen hat das damit, dass mir mit dem Auto nach Wien gefahren sind. Wir waren in Floridsdorf untergebracht", schilderte der 26-Jährige dem Gericht. Am 29. Mai besprühte er am Bahnhof abgestellte Züge, wobei er seinen Angaben zufolge bewusst darauf geachtet haben will, dass es sich um ältere Modelle handelte: "Ich habe die ausgewählt, die gerade ausrangiert werden. Das Model 4020 war deswegen interessant." Am selben Tag war er dabei, als mehrere Sprayer einen Betonsockel in Stockerau mit Graffiti "verzierten". Abgesehen vom Mitangeklagten, der "ein Bekannter" sei, habe er niemanden gekannt: "Man kennt voneinander nur die Vornamen. Die Szene ist relativ klandestin."

5.000 € Strafe

Hinsichtlich der Schadensgutmachung einigten sich die jungen Deutschen im Rahmen der Hauptverhandlung mit den Vertretern der ÖBB und den Wiener Linien auf einen Vergleich. Den ÖBB werden sie ratenweise jeweils 5.000 Euro bezahlen, den Wiener Linien je ein Drittel der Summe, die das Unternehmen in einer Schadensaufstellung aufgelistet hatte.

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