"Mein böser Nachbar züchtet mir Ratten ins Haus"

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Rattenprivat
Verhärtete Fronten im Burgenland: Der Baum von Josef L. stört den Nachbarn, dieser klagte und revanchierte sich mit einer "Rattenzucht".

Seit rund drei Jahrzehnten lebt Josef L. mit seiner Ehefrau glücklich in einem Haus mit preisgekröntem Garten im Burgenland. Nach 45 Jahren Arbeit will der 65-Jährige eigentlich nur in Ruhe seine Pension genießen.

Doch vor einigen Jahren zog ein junger Mann nebenan ein, legte sich mit beiden Nachbarn an. Beim ersten zog er den Kürzeren (Anm.: es ging um eine Mauer), also bündelte er seine Kräfte auf die störende Schwarzpappel von Josef L. 

Fleisch und Reis für Ratten

„Die Schwarzpappel hat vor rund 25 Jahren ein Vogel gebracht, sie entwickelte sich prächtig, es war Zufall. Sie hat nie jemanden gestört. Nur einige Äste ragen etwas über den Gartenzaun. Und mein Nachbar meint, dass ihn die Wurzeln beim Rasenmähen stören, also soll der Baum einfach weg. Er stellte in der Folge zwei Kisten für den Grünschnitt an der Grundstücksgrenze auf. Anfangs dachten wir uns nichts, erst als Kater Felix reihenweise tote Ratten ins Haus schleppte, schaute ich nach. In den Kisten ist Grünzeug sowie kiloweise Reis und gebratenes sowie rohes Fleisch, alles was Ratten lieben“, so Josef L. über den jüngeren Nachbarn, der im Gesundheitswesen tätig ist.

"Ich habe es mehrmals dem Bürgermeister, der ist für mich erste Ansprechperson in Gesundheitssachen, gemeldet, doch passiert ist nichts", so Josef L.

Klage folgt Gegenklage

Da der Streitwert in der Pappel-Causa vom gegnerischen Anwalt bei 8.000 € (Anm.: 5.000 € ist die "Anwaltsgrenze") festgesetzt wurde, besteht nun auch für Josef L. Anwaltspflicht. Gemeinsam mit Jurist Florian Höllwarth versucht der 65-Jährige die Pappel vor der Rodung zu retten und sich gegen die Rattenplage zu wehren. "Die andere Partei hat am 21. September 2020 wegen des Baumes Klage eingebracht, wir werden uns natürlich wehren und auch eine Gegenklage einbringen", sagt Anwalt Florian Höllwarth.

Das sagt jüngerer Nachbar

Mittlerweile wurden die zwei Grünschnittkisten am Freitagmorgen weggeräumt und der jüngere Nachbar setzte zum Konter an: "In die Kisten kam stets nur Grünschnitt bzw. Rasenabfall. Fleisch, Eier und Reis muss wer anderer in meinen Kisten entsorgt haben. Und mit dem anderen Nachbarn verstehe ich mich mittlerweile sehr gut, es gab da nie einen Rechtsstreit", sagt der Burgenländer

Josef L. bleibt dabei: "Er hat es am Freitag eiligst die Kisten weggeräumt, den Streit mit dem anderen Nachbarn gab es, das lässt sich auch beweisen, die Gegenklage wurde gestern beim Bezirksgericht Neusiedl eingereicht." Anwalt Höllwarth: "Wenn die Kisten weg sind, dann die fällt die einstweilige Verfügung weg, die Unterlassungsklage bleibt aufrecht."

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