Sohn Matthias R. quält der Gedanke, sich von seinem Vater nicht verabschiedet zu haben. In einem Facebook-Post schildert der 56-Jährige, es mache ihn wütend und traurig, dass er nicht bei ihm sein konnte. "Gestorben wird immer – fragt sich nur wie? In Zeiten von Corona wird vorsichtshalber zu Tode geschützt", beginnt der Post von Matthias. "Letzte Woche ist mein Vater gestorben. Er hatte, als er noch nicht dement war, immer wieder betont, dass ihm das keine Angst mache und wenn seine Zeit gekommen sei, dann wäre es auch in Ordnung so."
Nach einem Sturz aus dem Rollstuhl sei Hellmut R. "zu seiner Sicherheit" in ein Krankenhaus gebracht worden. Ein Corona-Test fiel positiv aus, Symptome habe er aber trotz seines hohen Altern keine gehabt, schreibt der Sohn. Dennoch sei der 86-Jährige isoliert worden. Zwei weitere Tests seien daraufhin negativ gewesen. "Zu seinem Schutz wurde er jedoch weiterhin isoliert. Woraufhin er zittriger wurde", schreibt der Berliner. Nur seine Ehefrau – also Matthias Mutter – durfte zu ihm. "Insgesamt knappe zwei Monate abgetrennt von allen Menschen die ihn lieben, hat er wohl nach dem ersten Besuch meiner Mutter beschlossen, zu gehen und tat es dann auch (vor dem nächsten Besuch)", schreibt Matthias weiter auf Facebook. "Verstehen konnte er das alles ja nicht. Mein Vater ist immer aufgeblüht, wenn ihn ein vertrauter Mensch berührte und ihm nahe war. Diese körperliche Nähe war auch zwischen mir und meinem Vater unsere innigste Verbindung und dann konnte ich eine große Klarheit, Freude und Ruhe in ihm spüren", erinnert er sich. Er glaubt, dass sich sein Vater schrecklich allein gefühlt haben muss.