"Menschen essen aus Not sogar ihre Haustiere"

In der chinesischen Stadt Tonghua herrschen wegen der Corona-Pandemie offenbar prekäre Zustände. Davon zeugen in den sozialen Medien geteilte Videos.

Die Situation in der ostchinesischen Kleinstadt Tonghua ist prekär. Die Stadt wurde wegen des Coronavirus komplett abgeriegelt. Am Montag begannen Gesundheitsbehörden mit der dritten Runde der obligatorischen Massentests. Die Stadt gehört in China zu den Orten, wo die größten Virusausbrüche stattgefunden haben, am Dienstag wurden 202 Fälle verzeichnet, wie die "Financial Times" schreibt.

Ein Bericht des deutschen Fernsehsenders RTL zeigt verzweifelte Menschen. Über 400’000 seien eingesperrt, ihre Haustüren teilweise zugeschweißt. Es sind Rufe aus Fenstern zu hören: "Wir brauchen etwas zu Essen!" Solche Szenen zeigen sich in den in sozialen Medien geteilten Videos, die aber nicht lange online bleiben: Die Regierung löscht entsprechende Inhalte systematisch.

Die chinesische Publizistin Qin Liwen hat unzählige Kommentare gelesen und einige davon gesichert, bevor sie vom Netz genommen wurden. "Die Menschen essen aus der Not heraus sogar ihre eigenen Haustiere, wie zum Beispiel Schildkröten, und andere haben gesagt, dass sie planen, ihren Hund zu essen", sagt sie im Interview mit RTL.

Mit selbst gebastelten Seilzügen sollen sich die Menschen gegenseitig mit Lebensmitteln aushelfen und diese von Wohnung zu Wohnung transportieren. Ansonsten sei man komplett auf die Hilfe und Versorgung der Behörden angewiesen, die offenbar nicht ausreichend ist.

Druck der Chinesischen Regierung ist gewaltig

Das Coronavirus war erstmals im Dezember 2019 in Wuhan entdeckt worden. Auch damals mussten Menschen 76 Tage lang in ihren Häusern und Wohnungen bleiben. Von Seiten der Regierung heißt es seit Wochen, man habe die Situation mittlerweile weitgehend unter Kontrolle. Mit strikten Maßnahmen geht das bevölkerungsreichste Land gegen das Coronavirus vor. Dazu zählen Ausgangssperrenfür Millionen, Zwangsquarantäne, Massentests und strikte Einreisebeschränkungen.

Die Lokalregierungen stehen enorm unter Druck, wie es in dem RTL-Bericht weiter heißt. Jede Neuinfektion soll demnach eine persönliche Strafe für die Beamten nach sich ziehen. "Wenn du als Lokalregierung das Virus nicht im Griff hast, dann wirst du als Beamter selbst bestraft. Wenn die Menschen aber aufgrund der harschen Maßnahmen und mangelnder Versorgung verhungern oder an Herzversagen oder Diabetes sterben, werden die Beamten nicht dafür zur Rechenschaft gezogen", so Qin Liwen.

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