Österreich

Menschenhändler lockten 70 Mädchen nach OÖ

Heute Redaktion
14.09.2021, 16:00

Durch gute Zusammenarbeit zwischen den Polizisten aus der Slowakei und Österreich, konnten die Beamten einen groß angelegten Mädchenhändler-Ring auffliegen lassen. Acht Verdächtige wurden festgenommen. Auch vier Österreicher, ein Bordellbetreiber und drei Helfer aus dem Innviertel, stehen im Fokus der laufenden Ermittlungen.

In Diskotheken in der Nordslowakei sprachen die Verdächtigen Mädchen an und stellten ihnen in Aussicht, sie könnten in Bars in Österreich viel Geld verdienen, wenn sie dort die Kunden nur zu vermehrtem Alkoholkonsum animieren. Seit 2001 lockten sie damit zwischen 50 und 70 Frauen nach Oberösterreich, die dann mit Einschüchterungen und Gewalt in Bordellen zur Prostitution gezwungen wurden.

Das gab die Pressestelle der Landespolizeidirektion Oberösterreich am Dienstag in einer Presseaussendung bekannt. Auf die Spur der Menschenhändler stießen die Beamten des Bundeskriminalamtes und des Landeskriminalamtes Oberösterreich durch Ermittlungen im Rotlicht-Milieu.

Die Polizei war hinter den Verdächtigen schon seit längerem her. Anfang März wurden in einer international durchgeführten Polizeiaktion insgesamt acht Personen in der Slowakei festgenommen, darunter die beiden Hauptverdächtigen, ein 41- und ein 42-jähriger slowakischer Zuhälter.

Die vier Verdächtigen aus Oberösterreich stehen im Verdacht, bei dem Menschenhandel "mitgespielt" zu haben, denn in ihren Lokalen mussten die Mädchen als Prostituierte arbeiten. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf Menschenhandel, Freiheitsentziehung und eventuell Körperverletzung.

"Freigekaufte" Prostituierte als Zeugin

Eine wesentliche Rolle bei der Aufdeckung der Affäre spielte der "Verkauf" einer polnischen Prostituierten. Ihre Zuhälter sollen von einem 45-jährigen Salzburger, der sich in eines der Mädchen verliebt hatte und es aus dem Rotlichtmilieu holen wollte, 58.000 Euro verlangt haben. Ansonsten hatten sie gedroht, die Frau an eine ausländische Gruppierung übergeben. Der verliebte Freier zahlte schließlich die geforderte Summe. Doch die "Freigekaufte" konnte zusammen mit anderen slowakischen Mädchen aus den Bordellen flüchten. Sie sagten bei der Polizei als Zeuginnen aus.

Internationale Polizeiaktion

Danach nahmen die oberösterreichischen Kriminalisten Kontakt mit ihren slowakischen Kollegen auf und ermittelten mit ihnen gemeinsam. Darauf wurde es den Verdächtigen offenbar zu "heiß". Sie zogen sich aus dem österreichischen Rotlicht-Milieu zurück und betrieben Bordelle nur noch in ihrer Heimat. Zuletzt stellte sich heraus, dass seit mindestens 2001 und bis 2009 zwischen 50 und 70 fast ausschließlich junge Mädchen aus der Slowakei mit falschen Versprechungen nach Österreich gelockt wurden, die hier als Prostituierte arbeiten mussten.

Die internationale Polizeiaktion zur Festnahme der acht mutmaßlichen Täter wurde von den Staatsanwaltschaft Ried im Innkreis und der slowakischen StA in Zilina geleitet. Den Verdächtigen werden grenzüberschreitender Prostitutionshandel, schwere Erpressung, Menschenhandel, schwere Nötigung und Freiheitsentziehung zur Last gelegt. Sie sitzen in der Slowakei in Untersuchungshaft.

APA/red.

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