Mischa (19): "Will Leben auf die Reihe kriegen"

Jede Nacht kommen sieben bis acht Jugendliche, finden in der Notschlafstelle "a_way" einen Platz zum Übernachten – und eine Zuflucht.

"Ich bin mit zwölf Jahren von zu Hause weggegangen", sagt Meri. Der Grund: "Es gab immer Gewalt." Die 20-Jährige wirkt stark, als sie erzählt: "Mit 14 bin ich aus meiner WG rausgeflogen – weil ich einfach dumm war." Dann war die junge Frau das erste Mal in der Caritas-Notschlafstelle "a_way" – noch am alten Standort am Westbahnhof. Zwischendurch übernachtete sie bei Freunden. Danach kam Meri in einer Mädchen-WG unter. Einen Teil der Lehre als Köchin hat sie schon absolviert, "Mir fehlt noch ein Jahr", erzählt Meri, die jetzt im Jugendwohnhaus "Juca" der Caritas wohnt. Ihr Wunsch: "Eine Wohnung – aber das ist schwierig."

Mischa (19): "Wunsch ist, dass ich keine Hilfe mehr brauche"

Mischa (19) wohnt derzeit im "a_way", ihr Leben kam 2013 durcheinander. "Da ist meine Mutter gestorben." Zuerst kam Mischa bei ihrer Schwester in Wien unter, "dann war ich in einem Krisenzentrum in einer WG. Mit 18 habe ich bei meinem Pflegepapa gewohnt, das hat aber nicht funktioniert." Zwischendurch wohnte Mischa auch bei ihrer anderen Schwester in England.

Jede Nacht finden sieben bis acht Jugendliche, finden in der Notschlafstelle "a_way" Zuflucht:

(Quelle: Video3)

Eine Gastronomie-Lehre als Köchin hat sie angefangen, "die würde ich gern fertigmachen." Jetzt ist sie in der Caritas-Notschlafstelle gelandet:" Mein Wunsch ist, dass ich mein Leben auf die Reihe kriege und keine Hilfe mehr brauche." Und: "Eine Arbeit, die mich interessiert."

Fatih: "Ich wurde viermal geschlagen"

Erschütternd ist die Geschichte von Fatih (Name der Redaktion bekannt). Der 17-Jährige verbrachte eine Woche im "a_way", "Ich hatte Familienprobleme", sagt er. "Ich wurde viermal geschlagen, einmal war meine Nase, einmal mein Kopf gebrochen", erzählt der 17-Jährige. Zwischendurch kam er bei einem Freund unter, jetzt ist er in einem Krisenzentrum: "Ich würde gerne in einer WG oder in einer Wohnung wohnen." Fatih macht einen Kurs, will den Hauptschulabschluss nachholen. "Danach möchte ich eine Lehrstelle in der Apotheke suchen."

Anna (Name der Redaktion bekannt) ist "ab und zu" im "a_way", "so alle drei bis vier Monate". Vor zwei Jahren kam die 18-Jährige das erste Mal, damals noch beim Westbahnhof, vorbei. Auch Anna hat eine Odyssee hinter sich. "2010 ist meine Mutter gestorben, mein Vater ist seit 2012 im Gefängnis in Serbien", erzählt sie. Dann wohnte sie in Niederösterreich: "Ich habe in einem Dorf in einer WG gewohnt, war auf einer Sozialfachschule." Doch: "Ich wollte dann unbedingt nach Wien, bin aus der WG weg." Die Schule brach sie 2016 ab – "nach einem Jahr". Jetzt wünscht sich Anna, "dass ich beruflich in die soziale Richtung gehen kann".

Notschlafstelle für Jugendliche

Seit einem Jahr gibt es das "a_way" in der Neumayrgasse in Ottakring (zuvor war die Caritas-Notschlafstelle für Jugendliche in Westbahnhof-Nähe untergebracht). Bis zu zehn Teenager von 14 bis 20 Jahren finden hier jede Nacht einen Schutzraum. Zwischen 17 und 9 Uhr (im Sommer zwischen 19 und 9 Uhr) kommen obdachlose Teenager hier unter – und können kurz durchatmen. Außerdem gibt es noch zwei Notbetten. Das Wichtige: Die Jugendlichen müssen nichts erklären, können anonym bleiben, die Übernachtung ist kostenlos. Bis zu fünf Nächte im Monat kann man bleiben.

Und: In drei Wohngruppen mit acht Einzelzimmern gibt es zeitlich begrenzte WGs, in denen Jugendliche bis zu drei Monate leben können.

"a_way"-Leiter Tom Adrian: "Kontrolldruck ist oft stark"

2017 wurden 446 Jugendliche betreut (335 Burschen und 111 Mädchen). Ganze 2.970 Nächtigungen gab es im letzten Jahr. "99 Prozent kommen wegen Gewalt in der Familie", sagt Tom Adrian, Leiter der Notschlafstelle. Oft sei zu enges Zusammenwohnen der Auslöser für Probleme. "Es kommen auch Privatschüler, die den Druck durch die Eltern nicht aushalten", so Adrian. "Ein Bub hat erzählt, dass er im Zimmer eingesperrt wurde, bis er alles gelernt hat, andere dürfen die Türe nicht zumachen." Da gebe es einen starken "Kontrolldruck". Häufiges Problem: "Der Selbstwert ist oft schwach, es gibt keine Tagesstruktur." Immerhin: "Bei rund einem Drittel ist es möglich, dass die Jugendlichen zur Familie zurückgehen." Einem weiteren Drittel könne eine Wohnung vermittelt werden, das letzte Drittel "schafft es nicht gleich".

Um den Selbstwert zu steigern, gibt es in der Neumayrgasse nicht nur die Notschlafstelle, sondern auch die Werkstätten "reStart" und "prework". "Da merken die Jugendlichen gleich: Ich kann was", so Adrian.

Caritas bittet um Unterstützung

Caritas-Generalsekretär Klaus Schwertner ruft zu Spenden auf: "Es ist eine gewichtige Verantwortung: Wir dürfen Kinder und Jugendliche nicht allein lassen", sagt er. Schwertner warnt: Es gebe einen Anstieg bei jugendlichen Obdachlosen. Es sei eine "Verantwortung der Gesellschaft". Und: "Jeder kann einen Beitrag leisten."

Spendenkonto

Erste Bank

BIC: GIBAATWWXXX

IBAN: AT47 2011 1890 8900 0000

Kennwort: a_way

www.caritas-wien.at/a-way/

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