Am Donnerstag reist die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel in die Türkei. Der Besuch beim türkischen Präsident Recep Tayyip Erdogan ist als besonders heikel einzustufen, denn viel steht auf dem Spiel. Merkel soll dem Flüchtlingsdeal zwischen EU und Türkei Stabilität verleihen und Erdogan für Verletzungen der Grundrechte kritisieren. Die Beziehungen Deutschlands zur Türkei sind jedoch derzeit mehr als angespannt.
Merkel macht auf dem Weg zum EU-Gipfel auf Malta Zwischenstation in Ankara. Die deutsche Kanzlerin trifft sowohl Erdogan, als auch Ministerpräsident Binali Yildirim.
Es gibt viele heikle Themen zu besprechen. Dauerbrenner ist weiter der Flüchtlingsdeal zwischen der EU und der Türkei. Auch das Thema Putschversuch - es handelt sich um Merkel ersten Besuch seit 15. Juli - ist noch lange nicht vom Tisch. Viele erwarten von Merkel, dass sie die Verfolgung kritischer Journalisten, kurdischer Oppositionsangehöriger und Zehntausender mutmaßlicher Anhänger von Fethullah Gülen, der laut Regierung hinter dem Putschversuch im Sommer stehen soll, kritisiert.
Doch Merkel hat kaum Möglichkeiten, die Türkei unter Druck zu setzen. Denn der Zeitpunkt ihres Besuchs ist denkbar ungünstig.
Oppositionsführer: Wahlkampfhilfe für Erdogan
In wenigen Wochen stimmt die Türkei über das von Erdogan und der AKP gewünschte Präsidialsystem ab. Die Opposition sieht Merkels Besuch daher nicht gerne. Oppositionsführer und CHP-Chef Kemal Kilicdaroglu meinte im Vorfeld, dass der Besuch auf Wahlkampfhilfe für Erdogan hinaus laufe.
Für Verstimmungen sorgen auch die Asylgesuche von 40 türkischen NATO-Soldaten in Deutschland. Der türkische Verteidigungsminister Fikri Isik forderte Deutschland auf, die Anträge abzulehnen und drohte mit Konsequenzen. Ein Merkel-Sprecher teilte daraufhin mit, dass Asylanträge keine politische Angelegenheit seien.
"Merkels Deutschland schützt Terroristen"
Justizminister Bekir Bozdag wiederum kritisierte in einem Gespräch mit dem Sender "Kanal 24" den Westen und explizit Deutschland: "Auch Merkels Deutschland schützt die Terroristen, die Mitglieder der Gülen-Terrororganisation. Es schützt die Terroristen der PKK-Terrororganisation."