Der Planet Merkur ist offenbar deutlich stärker geschrumpft als bisher vermutet. Laut einer neuen Analyse hat sich sein Durchmesser seit der Entstehung vor 4,5 Milliarden Jahren um bis zu 23 Kilometer verringert - und nicht, wie lange angenommen, um nur 14 Kilometer.
Die Erkenntnis liefert auch spannende Einblicke in das Innere des kleinsten Planeten unseres Sonnensystems. Ein stärkeres Schrumpfen deutet auf einen größeren Kern aus Metall hin, erklärt Gaku Nishiyama vom Institut für Weltraumforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt.
"Weitere Möglichkeiten wären ein geringerer Anteil an leichten Elementen im Metallkern oder eine höhere Temperatur bei seiner Entstehung", so der Wissenschaftler laut dem Spiegel.
Weil der Merkur keine Plattentektonik besitzt und seine Gesteinshülle eine einzige Platte bildet, zeigt sich die Schrumpfung direkt an der Oberfläche. Sie ist mit langen Steilkanten und Runzelrücken übersät - manche dieser Strukturen ziehen sich über mehr als tausend Kilometer durch die Landschaft.
Für ihre Berechnung haben die Forscher nur jene Regionen berücksichtigt, die von Meteoriten-Einschlägen verschont geblieben sind. In anderen Gebieten hätten solche Einschläge die Spuren der Schrumpfung verwischt.
Doch selbst diese neue Schätzung könnte noch zu niedrig sein. Die Analysen erfassen vor allem größere Verwerfungen ab etwa fünf Kilometern Länge. Die europäisch-japanische Mission BepiColombo hat Anfang September ihre Ankunftsphase am Merkur begonnen und soll ab November mit höherer Auflösung kartieren.