Messerstiche auf offener Straße: 14 Jahre Haft

Im vergangenen Sommer tötete ein 26-Jähriger Pole seinen 24- jährigen Mitbewohner in Wien-Favoriten auf offener Straße mit einem Klappmesser, nachdem der sich über fehlendes Bier im Kühlschrank mokierte.

Bereits zum zweiten Mal muss sich der polnische Staatsbürger Przemyslaw P. am Wiener Straflandesgericht wegen Mordes verantworten. Das erste Urteil gegen ihn von Anfang Oktober wurde vom Obersten Gerichtshof aufgehoben. Also ging es am Freitag mit neuem Richter und anderen Geschworenen zurück an den Start.

Messerstiche auf offener Straße

Letzen Sommer kam es in Wien Favoriten zu einem Streit: Weil es das spätere Opfer Lukas O. (24) nervte, dass sein Mitbewohner anders als besprochen doch länger in Österreich bleiben wollte und außerdem angeblich Bier im Kühlschrank der Arbeiter-WG fehlte, wurde er wütend. Um den Streit zu "klären", gingen sie auf die Straße. Dabei verletzte Przemyslaw seinen Kontrahenten mit einem Klappmesser im Halsbereich schwer und flüchtete anschließend, nachdem Lukas O. zu Boden gegangen war. "Ich hörte nur Patsch, Klatsch Klatsch," berichtete ein Augenzeuge. "Es ging sehr schnell, alles war voller Blut." Das Opfer (24) erstickte an seinem eigenen Blut an Ort und Stelle.

Sein Verteidiger sprach von "Notwehr"

Verteidiger Tomasz Klimek, der sowohl Polnisch als auch Deutsch beherrscht, schilderte, dass sein Mandant aus Notwehr gehandelt habe: "Er hatte keine Tötungsabsicht, sondern Angst vor dem körperlich überlegenen Kontrahenten. Mein Mandant ist nur 1,65 Meter groß. Außerdem dachte er dass sein Gegenüber ebenfalls bewaffnet war." Der Staatsanwalt widersprach der Notwehrversion vehement, sah in der Tat nicht nur eine Notwehrüberschreitung, sondern einen kaltblütigen Mord im Sinne der Anklage. Doch der Angeklagte bekannte sich: "Nicht schuldig".

Situation nicht ganz eindeutig zu klären

Tatsächlich fand die Polizei ein Küchenmesser im Stiegenhaus, das das spätere Opfer im letzten Moment dann doch nicht mit auf die Straße nahm. Das Opfer war größer, schwerer, "in guter Ernährungssituation und mit ausgeprägten Muskelbau".

Doch all das nützte wenig.

Urteil vor Augen der angereisten Eltern

Vor den Augen der aus Pommern angereisten Eltern des Angeklagten, stimmten die Geschworenen einstimmig auf schuldig. Der 26-Jährige muss nach dem Streit ums "Pivo" nun für sein Handeln Verantwortung übernehmen und 14 Jahre hinter Gittern. Anwalt Klimek war nach der Urteilsverkündigung enttäuscht und überlegt gegen das nicht rechtskräftige Urteil zu berufen.

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