Metallica lassen ihre Fans Wolfgang Ambros singen

In der von vorn bis hinten durchgeplanten Show der Bay Area Legenden war das Cover eines Austropop-Hits das Highlight.
Ohne Spaß, was soll die momentan immer noch größte Metal-Band des Planeten sonst auch großartig machen, um ihre Fans bei ihren Konzerten noch irgendwie überraschen zu können? Die Show ist von vorne bis hinten durchgeplant, jeder Handgriff hundertfach von allen Akteuren vor und hinter der Kulisse einstudiert. Viel Spielraum für Spontanität und Überraschungen bleibt da eben nicht.

Aber von Anfang an. Metallica waren am 16. August 2019 im Rahmen ihrer "Hardwired..."-Welttournee endlich einmal im Wiener Happelstadion zu Gast. Sonst mussten bislang immer die Stadthalle, die Krieau oder diverse Festivals in Wien, Niederösterreich, dem Burgenland oder Salzburg für das Quartett die Bühne bereitstellen. Wer am Freitag nicht ganz blind durch Wien spaziert ist, dem muss auch ohne Ankündigung gedämmert haben, dass eventuell ein Konzert von Metallica ansteht. Die Anzahl an Ü40-Fans in ausgewaschenen Metal-Shirts (die meisten davon natürlich von Metallica selber) waren ein schwer zu übersehendes Indiz in der Innenstadt und entlang der U2.

Ghost und Bokassa als Vorbands

Fast gänzlich ausverkauft war das Prater-Oval, das Wetter war für Mitte August ein wenig frisch, aber keinesfalls so schlecht, als dass es das Konzerterlebnis irgendwie geschmälert hätte. Die beiden Vorbands Bokassa und Ghost spulten ihr Set brav ab und erhielten auch den verdienten Höflichkeitsapplaus. Als Anheizer für Metallica kann man dem Hauptact irgendwie nicht die Show stehlen. Unmöglich.

CommentCreated with Sketch.10 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Kurz nach halb neun Uhr läutete dann der Track "It's A Long Way To The Top" von AC/DC den Beginn der großen Metallica-Show ein. Wie oben schon erwähnt, alles ist durchgeplant und genau konzipiert, das Internet verrät schon lange vorher, auf was man sich einstellen kann.

Zum hundertsten Mal Gänsehaut

Trotzdem stehen einem auch beim gefühlt hundertsten besuchten Konzert von James Hetfield, Kirk Hammett, Lars Ulrich und Rob Trujillo die Gänsehaut-Härchen empor, wenn Ennio Morricones Filmmusik "The Ectasy of Gold" samt dazugehöriger Szene aus dem Film "The Good, The Bad and The Ugly" die Show dann tatsächlich feierlich eröffnen. Dieser Moment hat, obwohl schon Jahrzehnte lang fixer Bestandteil der Metallica-Maschinerie nichts von seinem Zauber verloren. Kollektive Aufbruchstimmung im Publikum.

Danach folgt ein etwas mehr als zwei Stunden dauerndes "Best of"-Programm aus der mehr als 35 Jahre dauernden Karriere der Thrash-Helden. Und weil es sich noch immer um die Tour zum aktuellen Album "Hardwired ... To Self-Destruct" handelt, schaffen es ganze fünf Tracks daraus auf die Setlist. Am eindrucksvollsten davon ist mit Sicherheit "Spit Out The Bone". Kein Wunder, dass der im Zugabenteil zum Einsatz kam.

Auf Songs von dem bei Fans nicht unbedingt beliebtesten Album "Load" sowie von "Death Magnetic" wartete man vergeblich (falls jemand gewartet hat), ansonsten wurden alle anderen Longplayer in der Setlist berücksichtigt.

Metallica covern Ambros

Und um in eben jene Setlist einen kleinen Funken Spontanität und einen Aha-Effekt hineinzubekommen, gibt es ungefähr zur Hälfte der Show eine kleine Einlage, bei der Bassisten-Monster Rob Trujillo und Saitenhexer Kirk Hammett zu zweit für Stimmung sorgen. Man solle mitsingen, wenn man den Text kennt, bat das jüngste Mitglied der Band das Publikum, bevor er mit seinen Schaufelhänden die ersten Takte von "Schifoan" anstimmte.

Metallica cover Ambros

Metallica spielen Ambros
Metallica spielen Ambros


Sofort ging ein Raunen durch die drei Viertel des Publikums, die nicht aus dem benachbarten Ausland nach Wien zum Konzert gekommen waren und zehntausende Menschen verwandelten das Happelstadion für einen kurzen Moment für die größte Austropop-Karaokeshow des Landes. Unerwartet erfrischend. Beim letzten Wien-Besuch am 31. März 2018 gab es an dieser Stelle "Rock Me Amadeus" von Falco zu hören. Nicht ganz so schrullig wie der Ambros, aber auch geil.

Show auf Top-Niveau

Zum restlichen Konzert bleibt nicht viel zu sagen. Die vier Musiker sind Vollblutprofis, die sich bei ihren Auftritten keinerlei Blöße erlauben. James Hetfield hat nach wie vor ein unglaubliches Charisma, das ihm die Fans aus der Hand fressen lässt. Die Bühne wurde von einer immens riesigen LED-Leinwand überragt, auf der neben den Musikern auch Videos und Visuals eingespielt wurden. Und es wäre kein Metallica-Konzert wenn es nicht auch das eine oder andere Flammenspektakel gegeben hätte.

Mit "Master of Puppets", "Harvester of Sorrow", "Seek And Destroy", "The Unforgiven", "Sad But True", "For Whom The Bell Tolls", "Nothing Else Matters", "Creeping Death", One" und "Enter Sandman" haben sie mindestens zehn der größten Hits der Bandgeschichte aufgeführt. Die Songs sind längst zeitlose Klassiker, die immer noch mit zum Besten gehören, was im Heavy Metal-Bereich je aus einer Gitarre herausgeholt worden ist.

Und ja, man kann eventuell meckern, dass "Battery" oder "Blackened" oder "Fade To Black" diesmal vielleicht gefehlt haben. Aber Metallica spielen sicher in einem oder spätestens zwei Jahren wieder auf einem Festival oder eine Show in der Stadthalle, dann wird die Setlist wieder um ein paar Nuancen anders sein. Was die Qualität des dargebotenen betrifft, so kann sich Metallica kaum mehr steigern. Deshalb muss man solche Überraschungsmoves wie eben ein Ambros-Cover setzten, um interessant zu bleiben.

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