Ein bizarrer Fall beschäftigt die Tiroler Polizei und die Innsbrucker Staatsanwaltschaft. Eine Tirolerin in psychischer Notlage soll einem Mann aus Mexiko mehr als 10.000 Euro bezahlt haben, damit er ihr Sterbehilfe leistet, das berichtet die TT. Doch genau das wollte der Verdächtige laut Ermittlern offenbar nie tun.
Begonnen hat alles mit einem besorgniserregenden Telefonat. Die Frau deutete gegenüber einer nahen Verwandten ihren baldigen Tod an. Die Angehörige schlug Alarm und verständigte die Polizei.
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Beamte statteten der Tirolerin sofort einen Besuch ab und machten eine ungewöhnliche Entdeckung. Die Frau war nicht alleine. Bei ihr befand sich ein Mann aus Mexiko, der extra nach Tirol gereist war. Außerdem fanden die Polizisten ein Medikament, das angeblich als Narkosemittel für Pferde verwendet wird. Mehrere tausend Euro lagen ebenfalls auf dem Tisch, so die TT.
"Zuerst stand eine versuchte Tötung auf Verlangen im Raum", bestätigt Hansjörg Mayr, Sprecher der Innsbrucker Staatsanwaltschaft in der TT: "Doch inzwischen müssen wir vom Verdacht des schweren Betrugs ausgehen."
Die Tirolerin soll dem Mann bereits rund 8.000 Euro Anzahlung gegeben haben. Das Geld auf dem Tisch dürfte laut Ermittlern der Restbetrag gewesen sein.
Der Verdächtige wurde kurzzeitig festgenommen. Untersuchungshaft wurde aber nicht verhängt. Der Grund: Das sichergestellte Medikament stellte sich laut Untersuchung nicht als tödlich heraus.
"Die Untersuchung des Medikaments, das der Mann bei sich hatte, ergab, dass das Mittel nicht tödlich ist", erklärt Staatsanwalt Mayr. Der Mexikaner habe zudem angegeben, nie vorgehabt zu haben, der Frau beim Sterben zu helfen. Stattdessen habe er sie angeblich sogar davon abhalten wollen.
Ganz ohne Eigennutz dürfte die Reise aber nicht gewesen sein. Laut Ermittlern soll der Mann insgesamt mehr als 10.000 Euro kassiert haben – für eine Leistung, die er gar nicht erbringen wollte. Deshalb wird nun wegen schweren Betrugs ermittelt.
Die Tirolerin wurde nach dem Polizeieinsatz psychologisch betreut.