"Ich schlafe mit dem Vermieter, statt Miete zu zahlen"

Wie viel ist eine Wohnung wert? In manchen Fällen bezahlen junge Frauen mit ihrem Körper.
Wie viel ist eine Wohnung wert? In manchen Fällen bezahlen junge Frauen mit ihrem Körper.istock
Prostitution für ein Dach über den Kopf: Die unmoralischen Angebote am Immobilienmarkt in Großstädten steigen.

Das Leben in der Großstadt ist teuer. Mietpreise schnellen in die Höhe, die Präsenz von Airbnb verringert die Auswahl von leistbaren Immobilien noch zusehens. Kleinwohnungen zu guten Konditionen sind an vielen Orten längst eine Rarität geworden. Viele Suchende sind dementsprechend verzweifelt. Das nutzen einige Vermieter auf moralisch verwerfliche Weise aus.

Mehr und mehr unseriöse Annoncen poppen auf, die junge, mittellose Frauen dazu animieren, ihren Körper für eine Wohnung zu verkaufen.

Die Journalistin Jennifer Savin von der britischen Cosmopolitan berichtet in einem Selbstversuch von einem schockierenden Erlebnis mit Marc, einem in London lebenden Vermieter, mit dem sich incognito getroffen hat.

Das Spiel von Macht und Mittellosigkeit

Er ist um die 50 Jahre alt, Vater eines 24-jährigen Sohnes, Geschäftsmann und Besitzer von vier Mehrfamilienhäusern in London, wo die Mietpreise im europäischen Vergleich am höchsten sind. Dementsprechend schwer ist es dort eine leistbare Wohnung zu finden. Er möchte weder Geld, noch einen Einkommensnachweis oder eine Kaution von einer zukünftigen Mieterin.

Bei einer Vereinbarung zu einem Besichtigungstermin mit ihm geht es nicht um die Wohnung, sondern darum, ob ihm die Frau gefällt. „Suche Untermieterin, die offen für alles ist“, hieß es in seinem Inserat auf dem Online-Immobilienmarkt craigslist.org. „Du würdest für mich kochen und auf mein Haus aufpassen, wenn ich unterwegs bin. Außerdem brauche ich eine devote Mitbewohnerin. Du wärst meine Liebhaberin, mein Spielzeug, und nicht die Erste, die sich auf dieses Arrangement einlässt. Und keine Angst: Ich stehe nicht auf Abartiges,“ meint er gegenüber Savin.

Sex als neuer Miet-Schlüssel

Dieses unmoralische Angebot ist längst kein Einzelfall. „Du bist ein offenes Mädchen, das Geld sparen will? Dann schick mir ein Foto von deinem Gesicht und deinem Körper“, steht in einer weiteren Anzeige eines Londoner Mannes. In New York bietet jemand sein Zimmer kostenlos an, wenn seine Mitbewohnerin bereit ist, sich seinen „Bedürfnissen zu widmen“. Und in Wiesbaden können Studentinnen ein Apartment für 200 Euro pro Monat bewohnen. Die Nebenkosten sind allerdings hoch: zwei- bis viermal pro Woche Sex mit dem Eigentümer.

Natalie aus Kent berichtet gegenüber der Cosmopolitan von ähnlichen Erfahrungen und einem aktuellen Arrangement, das es ihr gestattet mietfrei in einer wohlhabenden Gegend in London zu leben. Den Mann hat sie auch über die Plattform craiglist.org kennengelernt. Sie besitzt kein eigenes Zimmer, nicht einmal ein eigenes Bett. „Er besteht darauf, dass ich neben ihm schlafe, Sex haben wir nicht immer. Manchmal mache ich nur den Haushalt oder gehe mit dem Hund Gassi“, erzählt sie.

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