Wien

Mieter schäumt: "Energiekosten steigen durch Sanierung"

Eine Großbaustelle am Wilhelm-Kress-Platz sorgt für Unmut unter Mietern. Weil das Stiegenhaus offen steht, steigen Heiz- und Stromkosten.
Yvonne Mresch
22.05.2022, 16:01

Hans P. (Anm.: Name von der Redaktion geändert) ist verzweifelt: Der Wiener lebt im Gemeindebau am Wilhelm-Kress-Platz (Simmering), auf dem sich derzeit eine Großbaustelle befindet. Das Haus wird generalsaniert – rund 90 Millionen Euro wurden dafür in die Hand genommen. Geplant sind eine thermisch-energetische Sanierung, die Neugestaltung der Außenbereiche inklusive Bewässerung der Grünanlagen, Spielplätze, etc. und neue Lifte.

Stiegenhaus offen: "Haben exorbitante Heizkosten"

Klingt grundsätzlich gut, bekräftigt auch der Mieter. Wären da nicht die zusätzlichen Probleme. "Die Baustelle stand den ganzen Winter. Das Stiegenhaus war offen, Fenster und Türen gibt es keine. Überall zog es", klagt er im Gespräch mit "Heute". Die fehlende Isolierung führte in der kalten Jahreszeit zu "exorbitanten Heizkosten": "Wir heizten ja ins Leere", so P. Er fühlt sich im Stich gelassen und betont: "Hier ist sowieso schon die unterste Schicht betroffen." Zu den Heizkosten kommen laut P. auch hohe Stromkosten. "Denn wir kommen wegen der Baustelle teilweise nur über den Keller ins Haus. Dort brennt quasi durchgehend das Licht", berichtet er. Der verzweifelte Wiener hat schon einige Versuche gestartet, mit Wiener Wohnen darüber zu sprechen. Gebracht habe es nichts. "Als Einzelner komme ich da nicht durch." 

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Wiener Wohnen: "Keine Mietzinserhöhung vorgesehen"

Die umfassenden Sanierungsarbeiten betreffen unter anderem eine Dämmung der Fassadenflächen und Kellerdecken, heißt es von Wiener Wohnen dazu. Diese sollen eine Reduktion des Heizwärmebedarfs um 71 Prozent und damit viele Vorteile für Mieter mit sich bringen. "Der Aufzugsneubau erfordert eine ausgeklügelte Logistik, damit der Zugang zu allen Wohnungen immer gewährleistet ist. Zu Beginn der Errichtung ist es notwendig, eine Baugrube für das Fundament des Aufzugsturms auszuheben. Deshalb ist der Zugang zu den Wohnungen der betroffenen Stiege für einen sehr kurzen Zeitraum über den Keller und die Nachbarstiege organisiert", so ein Sprecher. Nach Errichtung des Aufzugsturms wird das Stiegenhaus entkernt, also die alten Stiegenläufe abgetragen und durch neue ersetzt um eine Anfahrt des Liftes direkt in das Geschoss zu ermöglichen. Während der Arbeiten, die zehn Tage dauern, wird ein provisorisches Stiegenhaus errichtet, das den Zugang zur Wohnung erlaubt.

Hans P. fordert für die erschwerten Umstände eine Mietreduktion anstatt weiterer Erhöhungen. Zumindest Letzterem erteilt Wiener Wohnen eine Absage: "Für die Verbesserungen der Wohnqualität im Zuge des Sanierungsprojektes am Wilhelm Kress-Platz ist keine Mietzinserhöhung vorgesehen." Bis zum Ende der Arbeiten dürfte es noch etwas dauern: Die Stiegen 1 bis 36 sind voraussichtlich Anfang 2024 beendet, die Stiegen 37 bis 86 erst 2027. Bei Fragen zu den Sanierungsarbeiten könnten sich Mieter an die örtliche Bauaufsicht in den Mieterlokalen oder die Wiener Wohnen Service Nummer (05 75 75 75) wenden. 

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