"Miitopia" im Test: Das Kult-Game nun auch für Switch

Ältere Nintendo-Fans werden "Miitopia" noch vom Nintendo 3DS. Nun wurde dem Kult-Klassiker auf der Nintendo Switch neues Leben eingehaucht.

2016 in Japan und 2017 im Rest der Welt begeisterte "Miitopia" Spieler auf dem Nintendo 3DS. Wobei die Vorgeschichte gar weitere zehn Jahre zurückreicht. Denn 2006 brachte Nintendo nicht nur die Spielkonsole Wii, sondern auch die Avatare Mii vor. Spieler konnten sich die netten Figürchen selbst erstellen und speichern, um damit etwa gegen Freunde in diversen Spielen anzutreten. Doch erst mit "Miitopia" bekamen die immer beliebteren Figuren ein eigenes Game-Universum spendiert.

Dieses Kult-Game schnitt zwar bei den Presse-Testern eher durchschnittlich ab, Spieler verleibten sich aber regelrecht in das Game. Kein Wunder also, dass Nintendo nun nachlegt und das neue "Miitopia" für die Nintendo Switch veröffentlicht. Der Game-Mix ist quasi eine Mischung aus "Lebenssimulation" à la "Die Sims" und Rollenspiel à la "Final Fantasy", wobei keine der Genre-Mechaniken allzu komplex und tiefgehend daherkommt, dafür der entspannte Spielspaß aber umso mehr im Mittelpunkt steht.

Die klassische Fantasy-Geschichte

Die Geschichte ist denkbar einfach und könnte klassischer nicht sein: Im Land "Miitopia" trifft ein (vom Spieler erstellter) Held ein, der auf einen bösen, dunklen Fürsten trifft. Letzterer kann die Gesichter der Miis stehlen und damit eigentlich friedliche Wesen in schreckliche Monster verwandeln. Nun muss sich der Spieler für eine von rund zwölf Charakterklassen entscheiden, Mii-Begleiter um sich scharen und auf die Jagd nach den gestohlenen Gesichtern gehen.

Um das Ziel zu erreichen, kämpft man sich (in kindergrechter Manier) durch allerlei Areale und Dungeons und nutzt dabei eine nicht unbeachtliche Menge an Waffen und Zaubersprüchen. Je mehr Monster man besiegt, desto mehr Miis bekommen ihr Gesicht zurück – bis man sich dem dunklen Fürsten stellen kann. Doch weder Kämpfe, noch Story sind das Highlight des Titels. Vielmehr sind es die Beziehungen der Mii untereinander und die aufsuchbaren Orte wie Lagerfeuer, Wirtshäuser oder die Wohnungen der Mii.

Klassische Kämpfe, unklassisches Leveln

Als Spieler verfolgt man auch nicht primär eine Questline bis zum Endboss, sondern besucht die verschiedenen Orte der Spielwelt und erlebt dort den Alltag mit Essen im Freundeskreis, aber auch Ausflüge ins Kino oder zum Fischen. Das Besondere dabei: Ein großer Teil des Hochlevelns der Heldentruppe funktioniert über Freundschaft. Nimmt man einen Kumpanen zum Angeln mit, steigt die Sympathie zwischen den Figuren und ihre Statuswerte steigen ebenso. Aber Achtung: Lässt man andere Figuren komplett außer Acht, werden sie eifersüchtig und sorgen für negative Effekte in der Gruppe.

Die Kämpfe selbst laufen dagegen ganz klassisch ab. Vor einem Dungeon stellt man sich die Heldentruppe aus verschiedenen Miss mit möglichst unterschiedlichen Fähigkeiten zusammen. Dann durchläuft man Kampf um Kampf auf der Karte, bis ein Gebiet abgeschlossen ist. Dazwischen kann zur Heilung und zum Erhöhen der Statuswerte geblödelt und gefuttert werden. Die kampfrunden laufen rundenbasiert an, pro Runde wählt man allerdings nur die Aktion wie "Angriff" und "Technik/Magie" für Attacken oder "Süßes" für Heilung aus. Die übrigen Gruppenmitglieder kopieren dann den Befehl.

Freundschaft geht im Game über alles

Auch im Kampf spielt die Beziehung zu den Gruppenmitgliedern eine bedeutende Rolle. Wird ein Gruppenmitglied attackiert, kann man den Haupthelden zu ihr schicken, um nach ihrem Zustand zu fragen. Auch das erhöht den Zusammenhalt – und schwächt in vielen Fällen die Gegner, die sich aufgrund der herzerwärmenden Geste schon mal "gerührt" zeigen können. Während die Kampfaktionen also sehr simpel ausfallen, kommt Taktik vor allem durch die gewählte Gruppenbesetzung und die eingepackten Hilfs-Items ins Spiel.

Und auch wenn der Schwierigkeitsgrad leicht ausgefallen ist, eine falsche Besetzung der Heldentruppe kann eigentlich aussichtsreiche Kämpfe schnell zu beinharten Geduldsproben verkommen lassen. Schön ist die Abwechslung in der Spielwelt: Mal durchstreift der Spieler mit seiner Truppe saftiges Grün mit schönen Hügeln, mal Wüsten, Schlösser, Wälder und Strände. Etwas schade: Zwar unterscheiden sich die Areale massiv voneinander, die Areal-eigenen Feinde weisen aber nicht so viel Abwechslung auf und so trifft man oft, sehr oft, auf dieselben Feind-Typen.

Kult, aber trotzdem kein großer Wurf

Inhaltlich ist die Neuauflage von "Miitopia" kein großer Wurf, was kein großer Kritikpunkt ist. Der Klassiker wurde originalgetreu und in den meisten Belangen 1:1 auf die Switch gebracht. Neu sind nur Kleinigkeiten wie etwa ein Pferd als treuer Begleiter unseres Mii. Die Technik und das Drumherum haben da mehr Veränderungen erfahren. Die Menüs sind übersichtlicher ausgefallen, das Mii-Erstellen funktioniert simpler und gleichzeitig individueller, und Mii lassen sich nun auch über Amiibo oder online übertragen. Probleme des Originals sind aber auch hier zu finden: Allzu oft werden Gesprächsfetzen ausgespielt, die offenbar per Zufall ausgewählt werden, was Dialogen immer wieder zu sinnlosen Texteinblendungen macht.

Bei der Grafik gibt es die wohl einschneidendsten Neuerungen. Verschwommene Hintergründe und grobe Details sind passé, Animationen nun schöner anzusehen. Am Ende bleibt aber insgesamt der Eindruck übrig, dass da mehr, viel mehr bei der Switch-Version möglich gewesen wäre und das Game sich zu sehr am Original orientiert. Dennoch: "Miitopia" ist einfach Kult. Der Rollenspiel-Adventure-Mix bietet witzige Erlebnisse, eine schöne Geschichte von Freundschaft und Hilfsbereitschaft sowie bei jeder sich bietenden Gelegenheit Platz für massig Lacher. Wer ein Rollenspiel sucht, in dem die gute Laune und nicht die Jagd nach Items oder Leveln im Mittelpunkt steht, ist in "Miitopia" jedenfalls goldrichtig.

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch.
Nav-Account rfi Time| Akt:
VideospielGamesSpieletest

ThemaCreated with Sketch.Weiterlesen