Der Angriff auf den Präsidenten der jüdischen Gemeinde Graz löste auch bei Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) Bestürzung aus. In einem Schreiben an den Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinschaft Wien, Oskar Deutsch, heißt es: "Die Ereignisse der letzten Tage in Graz haben mich tief erschüttert. Ich verurteile den tätlichen Angriff auf Präsident Rosen und die Grazer Synagoge auf das Allerschärfste. Antisemitismus in jeglicher Form darf in unserer Gesellschaft keinen Platz haben. Das Land Niederösterreich wird sich auch in Zukunft jeglicher Form des Antisemismus entgegenstellen."
Nach dem tätlichen Angriff auf den Präsidenten der jüdischen Gemeinde Graz, Elie Rosen, sowie Sachbeschädigungen an der Grazer Synagoge, war noch am Sonntagabend der mutmaßliche Täter festgenommen worden. Am Montag erklärte Innenminister Karl Nehammer (ÖVP), der 31-jährige syrische Flüchtling sei vollinhaltlich geständig, er habe aus "islamistischen Motiven" gehandelt.
Dem Verdächtigen werden von den Ermittlern zumindest sieben Delikte in der vergangenen Woche in Graz vorgeworfen. Die Palette reicht von Sachbeschädigungen mit Steinen und Holzlatten bis hin zu einem tätlichen Angriff auf Rosen. Der Tatverdächtige hatte Rosen am Samstagabend vor dem jüdischen Gemeindehaus mit einem Holzprügel attackiert, der Gemeinde-Präsident rettete sich vor dem Angreifer in sein Auto und blieb unverletzt.
Der Täter dürfte den Ermittlern zufolge nicht nur antisemitisch, sondern auch homophob sein, denn er soll auch für die zerstörten Schaufenster des schwul-lesbischen Vereins Rosalila PantherInnen verantwortlich sein. Zudem warf er offenbar auch Steine auf ein Etablissement aus dem Rotlichtmilieu.
Gefasst wurde der Mann am Sonntagabend gegen 20.25 Uhr von einer Fahrradstreife des Stadtpolizeikommandos Graz, die ihn aufgrund der Täter-Beschreibung erkannte. Der in Graz wohnhafter Syrer habe sich bei der Vernehmung durch Beamte des Landesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung "umfassend geständig" gezeigt - und gab noch weitere Sachbeschädigungen in Graz zu. Er zeigte laut Polizei jedoch "keine Ansätze von Reue" und begründete seine Taten mit einem Hass auf Israel, die Juden, Schwule und Lesben sowie Prostituierte.
Das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl leitete bereits am Montag ein Aberkennungsverfahren des Asylstatus des Mannes ein.
Die Politik zeigte sich am Montag bei einem gemeinsamen Pressetermin im Innenministerium, an dem auch Rosen und der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinschaft Wien, Oskar Deutsch, teilnahmen, entsetzt. Nehammer sprach von "erschütternden" und "absolut inakzeptablen" Vorfällen. Es seien die Grund- und Freiheitsrechte der Republik Österreich sowie auch die Religionsfreiheit angegriffen worden.
Rund 500 Menschen waren laut eigenen Angaben der Veranstalter bereits am Sonntagnachmittag vom Grazer Hauptbahnhof zur Synagoge in Graz gewogen, wo die Abschlusskundgebung stattfand, um ein starkes Zeichen gegen Antisemitismus zu setzen.