In Mailand haben am Montag zahlreiche Geschäfte im Zentrum früher zugesperrt und die Auslagen verbarrikadiert. Grund dafür war die Angst vor neuen Ausschreitungen, nachdem es an den beiden Tagen davor massive Proteste gegeben hatte. Demonstranten lieferten sich dabei heftige Auseinandersetzungen mit der Polizei, plünderten Geschäfte und richteten große Schäden an.
Vor allem in der Via Montenapoleone, dem Luxus-Shoppingviertel mit Marken wie Chanel, Tiffany und Dior, wurden die Auslagen ausgeräumt. Die Polizei patrouillierte die Straße, während nur wenige Touristen das Geschehen beobachteten.
Mehrere hundert vermummte Demonstranten, viele davon vermutlich minderjährig, hatten am Wochenende im Stadtzentrum Mülltonnen angezündet und Geschäfte geplündert. Auslöser war eine eigentlich friedliche Kundgebung am Samstag, bei der es um schlechte öffentliche Dienstleistungen und steigende Lebenskosten ging.
Zu den verwüsteten Geschäften zählten laut Fernsehaufnahmen unter anderem die Sporthändler Decathlon und Arc'teryx sowie der Mobilfunkanbieter Vodafone. Bekleidungsgeschäfte wie Levi's und Under Armour sowie Decathlon verbarrikadierten ihre Schaufenster mit Karton und Holzplatten.
Die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni, die im nächsten Jahr eine landesweite Wahl vor sich hat, verurteilte die Gewalt. Am Montag leitete sie ein Treffen mit Ministern und Sicherheitschefs, um die Lage zu besprechen.
Die Regierung plant laut einer Quelle aus dem Regierungsumfeld, auf Vorschläge der Polizei zu reagieren und Maßnahmen zu setzen, um solche Gewaltausbrüche künftig zu verhindern und zu bekämpfen. Diese Vorschläge sollen dem Ministerrat vorgelegt werden, der voraussichtlich am Dienstag tagt.
Wie die Zeitung Corriere della Sera berichtet, überlegt Meloni, die Präventivhaft für Minderjährige auszuweiten und härter gegen Jugendbanden vorzugehen. Einige dieser Maßnahmen sind bereits Teil eines bestehenden Sicherheitsgesetzes, das gerade im Parlament behandelt wird.
Die italienische Polizei gab bekannt, dass sie am Sonntag in Mailand 271 junge Menschen während der Ausschreitungen festgenommen hat. 32 davon wurden festgenommen, darunter 23 Minderjährige und 13 ausländische Staatsangehörige. Weitere 28 Personen wurden der Justiz gemeldet.
Bereits am Samstag war es zu Zusammenstößen in Mailand und anderen norditalienischen Städten wie Bologna, Brescia, Bergamo und Turin gekommen. Laut Polizeibericht vom Sonntag wurden dabei 28 Demonstranten festgenommen.
Die Unruhen erinnern an die Ausschreitungen im Nachbarland Frankreich. Dort gingen am Samstag Hunderttausende Menschen aus Protest gegen steigende Lebenshaltungskosten und schlechter werdende öffentliche Dienste auf die Straße – es waren die heftigsten Proteste seit Jahren.