Die Feuerpause ist vorbei: Israels Armee hat eigenen Angaben zufolge die Kämpfe gegen die islamistische Hamas im Gazastreifen wieder aufgenommen. Am Freitagmorgen endete die insgesamt einwöchige Kampfpause somit ohne eine weitere Verlängerung. Wo stehen die Hamas und die israelischen Streitkräfte nun? Dazu lieferte Oberst Berthold Sandtner von der österreichischen Landesverteidigungsakademie am späten Freitagabend in der "ZIB2" bei ORF-Moderatorin Margit Laufer eine Analyse ab. Israelische Streitkräfte hätten den Norden des Gazastreifens umzingelt und ein "robustes Dispositiv aufgebaut", so der Experte, zahlreiche Terror-Führer seien eliminiert worden.
Aber: Israel habe sich durch die Feuerpause auch "etwas zurückziehen müssen", konnte keine Luftangriffe führen, so Sandtner. Die Hamas-Terroristen wiederum hätten Zeit bekommen, sich etwas organisieren und Kämpfer durch "Flaschenhälse in den Süden schicken" zu können. Auch die Geiseln aus Israel würden nun wohl im Süden festgehalten, so der Analyst. Die Hamas habe weiter eine funktionale Führungsstruktur und eine organisatorische Struktur, so Sandtner. Es seien zwar Tausende Terroristen getötet worden, bei Zigtausend verfügbaren Kämpfern seien aber noch genug da, um weitere Schläge ausführen zu können.
Der Druck werde nun immens hoch sein auf israelischer Seite, man werde mit großem Tempo und "sehr harten Schlägen" gegen die Hamas vorgehen, so Sandtner: "Der Druck wird sehr schnell sehr hoch aufgebaut werden." Und: "Auch der Süden wird ganz entscheidend werden", so Sandtner, dort würden nicht nur ein Großteil der Geiseln, sondern auch der Hamas-Kommandanten vermutet. Man wolle von Tag zu Tag die Zivilbevölkerung warnen, wo man zuschlagen wolle, um schnelle Schläge ausführen zu können, so Sandtner zur israelischen Strategie. "Ultimativ gelingen kann das nicht", so Sandtner dazu, ob die Zivilbevölkerung bei den Angriffen geschützt werden könne.
"Der Süden bietet keinen Platz mehr zum Manövrieren", so der Experte. Und wie schätzt der Experte die Hamas-Drohung ein, neue Terrorschläge auf Israel ähnlich jenen am 7. Oktober durchzuführen? "Ein Ausbrechen aus dem Gazastreifen, das ist jetzt völlig unmöglich", so der Experte. Das sei "in dieser Größenordnung einfach nicht möglich", so Sandtner zur Hamas-Lüge. Israel müsse nun die Fähigkeit der Hamas so einschränken, "dass sie keine Rolle mehr spielen kann". Wie es danach weitergehe, das wisse wohl noch nicht einmal Israel selbst zum jetzigen Zeitpunkt, hieß es.
Es werde immer wieder über eine "Pufferzone" um den Gazastreifen gesprochen, so der Militärstratege, für diese müsse es aber Sicherheit im Gazastreifen geben, "davon sind wir noch weit entfernt". "Die Rolle der Geiseln ist die bestimmende Rolle", so Sandtner zur Zukunft des Nahost-Konflikts, daran würde sich nun auch die israelische Militärstrategie ausrichten. Sandtner glaube, dass man sich von israelischer Seite zurückhalten werde mit einer Feuerpause, denn sonst müsse man den Druck wieder erneut aufbauen. Vielmehr werde man wohl über Tage schwere Angriffe sehen.