Ukraine

Kriegs-Experte macht jetzt mit dieser Aussage Hoffnung

Seit einiger Zeit konzentrieren sich russische Truppen auf die Ostukraine, Mariupol steht vor dem Fall – doch jetzt macht ein Militärexperte Hoffnung.
Nicolas Kubrak
18.04.2022, 18:57

Nachdem Wladimir Putins Taktik, die gesamte Ukraine innerhalb weniger Tage einzunehmen, gescheitert ist, greifen russische Streitkräfte jetzt den Osten der Ukraine an. Seit Wochen scheitert Russland jedoch daran, etwa die eingekesselte Hafenstadt Mariupol vollständig einzunehmen. In einem Interview mit der "Welt" erklärt Militärexperte Carlo Masala, warum Putins Truppen im Straßenkampf Nachteile haben – und welche Waffen die Ukraine jetzt konkret benötigt.

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Zu wenig Kräfte für ukrainischen Durchbruch

Trotz der Einkesselung von Mariupol ist es Putin über Wochen nicht gelungen, die Stadt vollständig einzunehmen. Laut Masala hänge dies auch mit der Taktik der ukrainischen Truppen zusammen, die die Russen von innen bekämpfen wollen. Um so einen Stadt im Straßenkampf einzunehmen, brauche der Angreifer eine Überlegenheit im Verhältnis 8:1, doch dafür hätten die Russen nicht genügend Kräfte vor Ort. "Deshalb haben sie die Stadt mit Artillerie und Luftschlägen plattgemacht", so der Militärexperte.

Er betont, dass die Ukrainer zu wenig Kräfte für einen Durchbruch haben, darum fehle ihnen Logistik, Material und Personal. Das größte Problem für sie sei: "Je weniger Gebäude da noch stehen, desto einfacher sind die Truppen zu enttarnen. Es ist eine Kriegsform die ein unglaubliches Leid verursacht", sagt Masala.

"Ukrainer brauchen schwere Waffen"

Auf die Frage, ob Experte noch Hoffnung für Mariupol hat, antwortete er mit einem "Nein". Man müsse jetzt beobachten, wie die russische Offensive aussehen wird. Die Frage sei, wie das Kräfteverhältnis im Osten des Landes sein wird – nach Masalas Informationen seien zwischen 60.000 und 70.000 ukrainische Soldaten versammelt, auf russischer Seite sei von etwa 120.000 Männern die Rede. Offen sei, wie viele Kräfte die Ukrainer in den Süden verlegen können, um den Gegenangriff auf Mariupol zu starten.

Entscheidend sei, dass die Ukrainer schwere Waffen erhalten, denn aktuell reiche das, was sie haben, nicht aus. Es brauche gepanzerte Fahrzeuge, Panzer, Artillerie oder Kampfflugzeuge. Zudem seien auch Nachtsichtgeräte und Kommunikationsmittel wichtig, unterstreicht der Militärexperte.

"Kein großer Erfolg der Russen möglich"

Carlo Masala wagt außerdem einen Blick in die Zukunft. "Wenn meine Zahlen über die Truppenstärken beider Seiten korrekt sind, sehe ich keine Konstellation, in der eine russische Offensive großen Erfolg haben kann", prognostiziert er. Denn auch hier gelte, dass Russland mindestens eine Überzahl im Verhältnis 3:1 oder 4:1 aufbieten müsste. "Ich habe meine Zweifel ob ihnen das gelingt", so Masala. Putin könnte jedoch versuchen, die ukrainischen Streitkräfte einzuzingeln. "Sollten sie das schaffen, dann bekäme die Ukraine ein ernstes Problem. Ich rechne jedoch insgesamt eher mit heftigen Stellungskriegen", schließt der Experte ab.

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